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Falscher Zahnarzt

Vier Monate Haft wegen unerlaubter Berufsausübung für einen Bozner Mundhygieniker, der in der Bozner Duca d´Aosta-Straße eine Zahnarztpraxis betrieb. Die Südtiroler Zahnarztkammer fordert von ihm nun Tausende Euro Schadenersatz.

von Thomas Vikoler

Wie gut (oder schlecht) die Geschäfte im Dental Center in der Bozner Duca d`Aosta-Straße 101 liefen, muss der Bozner Anwalt Marco Mayr erst herausfinden. „Wir werden für jedes unserer Mitglieder und für jeden vorgenommenen zahnärztlichen Eingriff Schadenersatz einfordern“, sagte er nach der gestrigen Strafverhandlung am Landesgericht.

Mayr vertrat dort die Südtiroler Zahnarztkammer, auch die nationale Zahnärzte-Vereinigung und eine 32-jährige Patientin aus Bozen hatten sich in das Verfahren eingelassen, in dem es offenbar mehr geht um wirtschaftliche Nachteile. Es geht um unlautere Konkurrenz für einen Berufsstand, der offenbar nicht mehr so gut verdient wie vor wenigen Jahren.

Einem Berufsstand, dem der 55-jährige Bozner Hugo Gasperi offenbar nicht angehörte.

Er hat zwar einen Doktortitel und ein abgeschlossenes Studium als Mundhygieniker – ist aber kein Zahnarzt. Gasperi betrieb aber ab dem November 2012 in Bozen eine Praxis namens Dental Center, das eingerichtet war wie eine Zahnarztpraxis und in dem laut Anklage invasive Eingriffe aller Art vorgenommen wurden: Wurzelbehandlungen, Karies-Entfernung, Betäubungen mittels Injektion.

Allerdings: Die Praxis hatte eine Genehmigung dafür und einen ärztlichen Direktor.

Sein Name: Azzat Saydo Mimi, ein 66-jähriger Syrer, der in der Zahnärztekammer von Verona eingetragen ist.

Laut den Aussagen mehrerer Patienten führte auch der Inhaber, Hugo Gasperi, zahnärztliche Eingriffe durch – und das ist für die Staatsanwaltschaft, die ihm unerlaubte Ausübung eines Berufes vorwirft, das Problem, zu dem eine ziemlich eindeutige Beweislage hinzukommt.

Der ärztliche Direktor aus Verona habe sich eher selten im Dental Center aufgehalten, heißt es.

Am Mittwoch hat Gasperi, der Mundhygieniker, über seinen Anwalt Luca Crisafulli im Hauptverfahren vor Richter Carlo Busato einen gerichtlichen Vergleich über vier Monate Haft auf Bewährung abgeschlossen – die Höchststrafe liegt bei sechs Monaten Haft. Azzat Saydo Mimi, der ärztliche Direktor, dem Beihilfe vorgeworfen wurde, erhielt hingegen eine Haftstrafe von zwei Monaten bedingt.

 

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