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Unter Verdacht

Wer in Südtirols Banken ein Konto eröffnet, kann es unter Umständen mit amerikanischen Behörden zu tun bekommen. Die Hintergründe über ein kaum bekanntes Abkommen.

von Anton Rainer

Thomas Lohse ist sauer. Er sagt: „Ich fühle mich, als hätte man mich unter Generalverdacht gestellt.“ Ein Verdacht, für den es keinen Grund gebe, glaubt der in Bozen ansässige Osteopath, seine einzige Schuld sei es schließlich gewesen, dem Gesetz Folge zu leisten.
Der Reihe nach.

Als die italienische Regierung im Jänner 2014 eine Bankomat-Pflicht für sämtliche Betriebe ankündigt, herrscht auch in Südtirol helle Aufregung. Wie sollen die kleinen Schankbetriebe überleben, wie die Freiberufler?

Thomas Lohse meldet sich, ganz unaufgeregt, bei seiner Bank, die ihm erstmal die Eröffnung eines Geschäftskontos vorschlägt – und den Bozner mit einem interessanten Dokument überrascht: Als Voraussetzung für die Eröffnung seines Kontos muss der Unternehmer der amerikanischen Steuerbehörde schriftlich bestätigen, dass er kein Staatsbürger der USA ist – und damit auch kein im Ausland lebender Steuersünder. Thomas Lohse versteht die Welt nicht mehr: „Warum muss ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich KEIN amerikanischer Staatsbürger bin“, sagt Lohse, „das ist NSA-Datensammelei.“

In der Tat ist es ein anderes amerikanisches Amt, mit dem es der Bozner Ostheopat zu tun bekam: Die US-Steuerbehörde IRS forscht seit Mitte 2014 auch in Italien nach Steuerhinterziehern, die darauf hoffen, im Ausland unversteuertes Vermögen deponieren zu können. Basis für diese Tätigkeit ist das sogenannte FATCA-Abkommen. Anfang 2014 von den meisten EU-Staaten bilateral beschlossen, sorgt es seit Juli letzten Jahres auch in bei vielen Südtirolern für Unverständnis. Denn: Obwohl laut der FATCA-zertifizierten Volksbank, wo Lohse sein Konto eröffnet hat, nur Personen, bei denen es „Hinweise über die eventuelle Amerikanität“ gibt, überprüft werden, musste der Osteopath die Erklärung unterschreiben.

Und das, obwohl er weder die amerikanische Staatsbürgerschaft hat – noch dortigen Wohnsitz, Geburtsort, eine Postanschrift, Telefonnummer oder Bankverbindungen. Selbst sein Universitätsdiplom einer kanadischen Universität wurde dem Unternehmer in Deutschland verliehen. Die Antwort erhält die TAGESZEITUNG in einer Bozner Volksbankfiliale: „Das muss jeder Kunde machen, sobald es um irgendwelche Verträge geht.“ Übersetzt: Es kann nie schaden, auf Nummer sicher zu gehen.

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