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    Sind wir Säufer?

    Beim täglichen Konsum von Alkohol liegt Südtirol unter dem nationalen Durchschnitt. 18,5 Prozent der SüdtirolerInnen konsumieren täglich Alkohol.

    Das Nationale Statistikinstituts ISTAT hat für das Jahr 2014 die Daten zum Konsum von Alkohol in Italien bzw. der einzelnen italienischen Regionen erhoben.

    In Bezug auf die Jahresprävalenzrate liegt Südtirol mit 74,8% an erster Stelle aller italienischen Regionen. Der italienische Durchschnitt liegt bei 63%.

    Was sagen uns diese Daten.

    Peter Kohler vom Forum Prävention interpretiert die Daten:

    „Dieser Wert zeigt die starke Verbreitung des Alkoholkonsums in unserer Provinz auf und lässt auch auf eine kulturelle Verwurzelung schließen.

    Peter Koler

    Peter Koler

    An sich weist er aber noch nicht auf ein Risiko hin: er zeigt nur auf, dass drei Viertel der Südtiroler Bevölkerung, mindestens einmal im vergangenen Jahr Alkohol konsumiert haben. Vor allem die Jahresprävalenzrate der weiblichen Befragten ist in Südtirol deutlich höher als die in anderen Regionen Italiens. Auch das trägt zum erhöhten Durchschnittswert bei, gleichzeitig ist es aber auch ein Hinweis dafür, dass die Bewertung des Alkoholkonsums bei Frauen in Südtirol anders ist. Hier spielen wahrscheinlich kulturelle Trinkmuster eine Rolle: mediterrane und transalpine Kulturen akzeptieren den Konsum bei Frauen in unterschiedlicher Weise.

    Dieser kulturelle Faktor wirkt sich andererseits auch positiv aus:

    Beim täglichen Konsum von Alkohol liegt Südtirol unter dem nationalen Durchschnitt. 18,5% der Südtiroler – 27,6% der Männer sowie 9,9% der Frauen – konsumieren täglich Alkohol. Der italienweite Durchschnitt liegt hierbei bei 22,1%. Lediglich in Sizilien und Kampanien trinken verhältnismäßig weniger Einwohner/innen täglich Alkohol. Unter Berücksichtigung des Geschlechts zeigt sich, dass die Quote der Männer hierbei italienweit die geringste ist.“

    Als Risikoverhalten wurde in der Studie des ISTAT folgendes definiert:

    1. Zum einen der gewohnheitsmäßige Konsum von mehr als zwei Standardgetränken[1] pro Tag bei Männern, und mehr als einem Standardgetränk bei Frauen und Personen welche 65 Jahre und älter waren sowie der Konsum von mindestens einem alkoholischen Getränk im vergangenen Jahr bei Personen unter 18 Jahren. 11,3% der Befragten in Südtirol, im Gegensatz zu 10,7% in Italien insgesamt, weisen dieses Konsumverhalten auf.
    2. Zum anderen das „binge drinking“, der Konsum von sechs oder mehr Standardgetränken bei einer Gelegenheit. 17,8% der Befragten in Südtirol, im Gegensatz zu 6,2% in Italien insgesamt, wurden der „binge drinking“ Kategorie zugeteilt. Das scheint für unsere Region der bedeutendste Risikofaktor zu sein. Zumindest einmal im Jahr bei feierlichen Anlässen, beim Festen und Feiern sechs oder mehr Standardgläser Alkohol zu trinken, bleibt eine zumindest zum Teil noch akzeptierte kulturelle Norm.

    Peter Koler Analyse:

    „Die Erhebung des ISTAT ermöglicht eine Verortung der Südtiroler Bevölkerung im Vergleich zu den restlichen Regionen Italiens. Dabei können aufgrund der gewonnenen Daten Rückschlüsse auf die Verbreitung des Konsums sowie Tendenzen des Konsumverhaltens geschlossen werden. Eine Einschätzung in Bezug auf den problematischen Konsum und eine Abhängigkeit von Alkohol kann jedoch nicht auf Basis der eben genannten Kategorisierung getroffen werden und muss auch immer unter Berücksichtigung des persönlichen und kulturellen Hintergrundes erfolgen.

    Es bleibt also notwendig, den Alkoholkonsum der Südtiroler Bevölkerung genauer zu untersuchen, um daraus folgernd die richtigen Maßnahmen im Bereich der Prävention und Behandlung bereitzustellen. Eine solche Untersuchung wurde zuletzt im Jahr 2006 durchgeführt.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (19)

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    • wipptoler

      Ich trink Sankt Zacharias – Wosser!

    • martin

      Wenn man die Aussage „gesundes Glaserl“ hört sollten schon die Alarmglocken läuten. Das ist eine Verniedlichung, hinter der meist ein massives Suchtproblem steckt.
      Nach Aussage einiger Ärzte würde man angeblich länger leben wenn man täglich trinkt. Das heisst, ich als totaler Abstinenzler lebe ungesund. Ich möchte gerne einmal mit einem solchen Artzt reden…dann frage ich ihn, ob rauchen auch gesund ist, wenn man nur ganz wenig raucht.

    • Hubert

      wenn man sich die ganze Hinterfrage-Politik und deren Kosten neben der fatalen Politik in Italien – aber auch anderswo- anschaut, und dann von den „trinkfesten“ Südtirolern liest, dann bleibt eine Frage offen: ist dies die ultima Ratio, weil jemand den täglichen Schwachsinn nicht mehr erträgt?

    • Meister

      Und wos hot ins dei x-te statistische Erhebung gebrocht, außer Spesen?

    • Zero

      ..und trotzdem noch eine Frage:
      Wer soll denn nun eigentlich den ganzen in Südtirol/Italien produzierten Wein trinken ??????
      Sollte man nun die Rebflächen roden ??
      Und unsere „Frau Forst“ wird noch das Ehrenzeichen erhalten!
      Da sind wir doch ziemlich scheinheilig:
      Einerseits werden die Produzenten gelobt (auch zu Recht) für die gute Qualität des produzierten Produktes, und andererseits sollte dieses Produkt niemand konsumieren ….

      • martin

        Er wird ja konsumiert, was regst du dich auf? Weinbauer?

      • Gebi Mai

        Die Südtiroler Weinproduzenten können 350.000 Hektoliter produzieren. Beim Bier weiß ich die Menge nicht.
        Werbung, Marketing, .. wird sehr viel geschalten. D.h., mehrere Wirtschaftszweige, Branchen bekommen im Kreislauf der Produktion bis zum Konsum Aufträge, Einnahmen.

        Am Anfang wird für Konsum geworben und am Ende für Abstinenz und gegen den Alkoholmissbrauch geworben und Alkoholkranke müssen behandelt werden.

        Einerseits fördert die Landesregierung, SMG, Handelskammer,… mit öffentlichen Geldern die Produktion, Verkauf,… andererseits müssen Sozialsysteme, Sozialarbeiter, …, gegen den Missbrauch vorgehen und die werden wieder mit öffentlichen Geldern gestützt.
        EIN Teufelskreis.

    • norbert

      die Südtiroler saufen, die Italiener Haschn …

      Die Italiener gehören zu den stärksten Cannabiskonsumenten Europas. Das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA = Europäische Aufsichtsbehörde für Drogen und Drogensucht) schätzte 2011, dass 32 % der Bevölkerung im Alter von 15-64 Jahren einmal im Leben Cannabis konsumiert haben. Der Konsum belief sich im vergangenen Monat auf 6,9 %, dem zweithöchsten Anteil in Europa (nach Spanien mit 7,6 %).

    • Andreas

      Wenn man dem Zeitgeist folgt, müsste man ausnahmslos alles unterbinden, da es ungesund oder gefährlich ist.
      Es gibt eigentlich nichts mehr was nicht irgend ein Experte schon in Frage gestellt hätte.
      Deshalb bevorzuge ich das ganze Gesundheitsgeschwafel von teilweise selbsternannte Experte, welche sich auch widersprechen, so gut wie zu ignorieren. Ich denke jeder weiß selbst was im gut tut und was nicht und er ist frei in seiner Entscheidung es zu tun oder nicht.

    • Alexa

      Ich trinke jeden zweiten Tag ein Glas Sherry. Sonntags nie. 🙂

      Sandeman.

      Zum Einschlafen.

      Mr. Sandman – bessser als Statistiken wälzen.

      http://m.youtube.com/watch?v=oNuX7bs2qAM

    • Luis

      Koler ein cooler Interpret. Das heißt nicht, dass Koler recht hat.

    • christian waschgler

      Bei den Steuern, Abgaben und bei der politischen „Kultur“ der wir ausgeliefert sind bleibt einen wohl nichts anderes übrig als zu saufen

    • Besorgter Bürger

      Im Gegensatz zur Situation mit den Äpfeln in Südtirol, in denen wir dank reichlicher Produktion von 5 Kilo pro Kopf und Tag geradezu schwimmen, muss man leider zugeben, dass es beim Wein nicht so rosig ausschaut. Wenn wir uns selbstversorgen müssten, säßen wir mit 230ml pro Kopf und Tag wohl relativ auf dem Trockenen. Diese Berechnung bezieht sich zudem auf volljährige Trinkende – und wir wissen ja alle, dass das in unserem schönen Land nicht der Realität entspricht.

      In diesem Sinne: Prost!

    • ......

      Meiner Meinung nach sollten Provinzangestellte und Gemeindemitarbeiter regelmäßig getestet werden. In diesem Sektor scheint der Konsum besonders hoch zu sein. Wahscheindlich um zu ertragen….

    • Maxi

      Also bitte was hat der Alkoholkonsum damit zu tun ob man Provinz- oder Gemeindemitarbeiter ist? Warum trinken Ärzte, Piloten uva. mehr? Ich finde das Problem Alkohol ist in den letzten Jahren echt zu einem Problem geworden, wenn man sieht wieviele Erwachsene bzw. Familienväter- oder auch Mütter vor ihren Kindern Alkohol in rauen Mengen konsumieren, wie kann man da von Jugendlichen verlagen, keinen Alkohol zu trinken, wenn die Erwachsenen schon ein schlechtes Vorbild geben?

    • Woll. Pertinger

      „Beim täglichen Konsum von Alkohol liegt Südtirol unter dem nationalen Durchschnitt“, heißt es im Vorspann. Ich war immer der Meinung, dass die Südtiroler mehr trinken als die Italiener und dass sie deswegen viel gesünder sind und viel länger leben. Sollte ich mich da getäuscht haben?

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