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Stockers Millionen-Klage

stocker geld-2Der freiheitliche Abgeordnete Sigmar Stocker will die TAGESZEITUNG auf 1,5 Millionen Euro Schadenersatz verklagen – weil er in mehreren Artikeln lächerlich gemacht worden sei.

Er selbst wollte nie ein klassischer Berufspolitiker sein, sondern sah sich als hemdsärmeliger, bürgernaher und bodenständiger Volksvertreter, der, je nach Anlass, eine blaue Bauernschürze trug. Oder den Zylinder des Präsidenten des örtlichen Narren-Vereins.

Humor hatte er, der Freiheitliche aus Terlan. Früher jedenfalls.

Als Sigmar Stocker im Vorjahr Fasching feierte, statt an einer wichtigen Regionalratssitzung teilzunehmen, nahm die TAGESZEITUNG dies zum Anlass, den „blauen Kasper“ zu porträtieren.

Der Artikel erschien am 14. März 2014.

Jetzt, mehr als ein Jahr später, präsentiert Sigmar Stocker der TAGESZEITUNG die Rechnung. Über seinen Anwalt Alessandro Tonon fordert der blaue Landtagsabgeordnete 500.000 Euro Schadenersatz von TAGESZEITUNG-Chefredakteur Artur Oberhofer, dem Autor des Artikels. Weitere 500.000 Euro möchte Sigmar Stocker von Herausgeber Arnold Tribus, der aus dem Artikel zitiert hatte. Und noch einmal 500.000 Euro verlangt der Terlaner Politiker von Heinrich Schwazer, weil der es zugelassen hat, dass der Schriftsteller Joseph Zoderer den Abgeordneten Stocker in einem Interview lächerlich gemacht habe.

Die Freiheitlichen haben der TAGESZEITUNG den Krieg erklärt. Zuerst der kindische Boykott-Aufruf von F-Obmann Walter Blaas, jetzt die angedrohte Millionen-Klage von Sigmar Stocker.

Es ist eine Premiere in Südtirol: Dass ein Landtagsabgeordneter gegen ein lokales Medium eine Millionen-Klage wegen angeblicher Diffamierung anstrengt, das hat es in Südtirol noch nicht gegeben. Ein Teil der Freiheitlichen-Spitze verwechselt Ursache und Wirkung und macht die TAGESZEITUNG (und nicht die eigenen Verfehlungen im Politiker-Rentenskandal, bei der Penisring-Affäre etc.) dafür verantwortlich, dass der Partei Mitglieder und Sympathisanten in Scharen davonlaufen.

Warum ist Sigmar Stocker so beleidigt? Worin besteht die – in der Klageandrohung so bezeichnete – „Aggression auf die Moralität“ des Abgeordneten Stocker?

Einleitend schreibt der Anwalt, der Artikel „Der blaue Kasper“ sei einzig und allein darauf ausgelegt, den Abgeordneten Stocker lächerlich zu machen. Außerdem habe die TAGESZEITUNG ein Zitat Stockers wiedergegeben, das dieser nie gemacht habe.

Das Zitat (das Sigmar Stocker sehr wohl getätigt hat) lautet:

„Sigmar Stocker saß erst wenige Wochen im Südtiroler Landtag, als er zur damaligen Generalsekretärin und Landtagskollegin Ulli Mair sagte: ,Du, Ulli, seit ich an der Macht bin, derwehre ich mich vor den Frauen nicht mehr.“

Von TAGESZEITUNG-Herausgeber Arnold Tribus will Sigmar Stocker ebenfalls eine halbe Million:

Tribus hatte über den Penisring sinniert, der „dem Gemächt des Herrn Abgeordneten Stocker eine intensivere Erektion bescheren soll …“

LESEN SIE IN DER PRINT-AUSGABE:

* Welche Passagen der Abgeordnete Stocker für rufschädigend hält

* Und: Warum er auch auf den Schriftsteller Joseph Zoderer sauer ist

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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