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„Ich tue, was ich will“

„Ich tue, was ich will“

Polizei und Carabinieri haben zwei junge Männer verhaftet, die für eine „beeindruckende Serie von Straftaten“ verantwortlich gemacht werden. Die schwerste davon: Die Verunstaltung eines Jugendlichen mit zerbrochenen Biergläsern am Bozner Obstmarkt. 

Von Thomas Vikoler

Markus Mayr, beigestellter Staatsanwalt am Bozner Landesgericht, gilt nicht unbedingt als Hardliner unter den Gesetzeshütern. In diesem Fall war für ihn ein Antrag auf eine vorbeugende Maßnahme unausweichlich: „Wir müssen etwas tun gegen diese Personen, die andere Menschen und das Gesetz verachten“, erklärte Mayr auf einer Pressekonferenz im Gerichtpalast.

Polizei und Carabinieri haben, ausnahmsweise mit vereinten Kräften, zwei junge Männer verhaftet, die in den vergangenen Monaten in Bozen „Angst und Schrecken“ verbreitet haben, wie es in den beiden Haftanträgen des Staatsanwalts heißt. Autoren einer „beeindruckenden Serie von Straftaten“, die von Raub, Widerstand gegen Amtspersonen bis zu schwerer Körperverletzung reichen. Begangen aus „purer Lust, Schaden anzurichten“.

Es handelt sich um polizeibekannte Bozner marokkanischer Herkunft: Abdelilah Jarrar, 19, dem insgesamt neun Straftaten vorgeworfen werden, und Amine Smaili, 20, italienischer Staatsbürger, der innerhalb eines Jahres achtmal straffällig geworden sein soll.

Beide sind vorbestraft: Jarrar hat eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen verschiedener Delikte im Strafregister, im vergangenen November schloss er zudem am Landesgericht einen Vergleich über vier Jahre Haft, u.a. wegen eines Raubes auf den Talferwiesen. Weil der Vergleich angefochten wurde (das ist rechtlich möglich), behängt der Fall vor der Kassation. Am 20. Februar brach der 19-Jährige aus dem Hausarrest aus, bis zu seiner Verhaftung am Wochenende musste er sich täglich bei der Polizei melden.

Dagegen ist Amine Smaili, obwohl ein halbes Jahr älter, beinahe ein Weisenknabe: Er hat ein Jahr bedingter Haft im Strafregister. Laut Haftbefehl hat er zwischen dem 28. März und dem 4. April dieses Jahres seine kriminelle Karriere vorangebracht. Zunächst, an einem Abend, zwei misslungene Versuche, in Bozner Apotheken (Gemeinde-Apotheke in der Puccinistraße und Chiereghin-Apotheke) einzubrechen, indem er die Scheiben einschlug. Am 31. März ein Zwischenfall in der Walthergalerie in Bozen, kurz nach 21.30 Uhr. Das Opfer: Ein 23-jähriger Breakdancer. Zuerst soll Smaili ihn mittels einer abgebrochenen Flasche aufgefordert haben, sein „Territorium“ zu verlassen. Dann stahl er ihm – immer laut Haftbefehl – das IPhone und zwei Lautsprecher und verletzte ihn mit Gürtelschlägen.

Höhepunkt der Gewaltserie – in Mittäterschaft mit Abdelilah Jarrar – war der Übergriff auf einen Jugendlichen am Bozner Obstmarkt: Wieder ein Schnitt mit Glasscherben (zwei zerbrochene Biergläser), das Opfer, ein minderjähriger Bozner, wird an der Wange eine bleibende Narbe davontragen. Die Wunde musste mit 40 Stichen genäht werden. Dass Amine Smaili anschließend die herbeigeilten Carabinieri beleidigte und seine Beweggründe erklärte („Ihr seid Clowns. Ich tue, was ich will“), ist im Haftbefehl ebenfalls vermerkt. Auch, dass er vom Opfer der Gewaltattacke auf Facebook wiedererkannt wurde.

Abdelilah Jarrar war ebenfalls nicht zimperlich. Am Neujahrtag verprügelte er in Bozen einen jungen Albaner (auch hier kam eine kaputte Bierflasche zum Einsatz) am 6. Februar war ein weiterer Jugendlicher das Opfer einer Scherben-Attacke ins Gesucht (15 Tage Heilungsdauer). Dazwischen liegen Raub-Episoden, bei denen Handys und kleinere Geldbeträge eingesammelt wurden.

„Die beiden Verhafteten haben weitere Straftaten begangenen, die nicht angezeigt wurden. Die Opfer sollten aber den Mut haben, Anzeige zu erstatten“, sagt Staatsanwalt Markus Mayr.

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