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Getrübte Aussichten

Das Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt, dass sich das Geschäftsklima in der Landwirtschaft heuer deutlich eingetrübt hat. Die Erwartungen der Obstgenossenschaften haben sich vor allem aufgrund der schwierigen Lage des europäischen Apfelmarktes stark verschlechtert. Bei den Kellereien und den Milchhöfen ist die Stimmung hingegen deutlich besser. 

Die Landwirtschaft zeigte sich im abgelaufenen Jahr 2014 noch zufrieden. Praktisch alle Genossenschaften konnten ihren Mitgliedern im vergangenen Jahr gute oder befriedigende Auszahlungspreise gewährleisten. Bei den Milchhöfen und Sennereien war die Zufriedenheit am höchsten, gefolgt von den Kellereien und den Obstgenossenschaften.
Für das laufende Jahr 2015 sind die Erwartungen insgesamt verhalten. Nur 64 Prozent der verarbeitenden und vermarktenden Genossenschaften gehen davon aus, auch heuer zufriedenstellende Preise an die Bauern auszahlen zu können. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen elf Jahre.

Der Grund dafür ist die schlechte Stimmung in der Obstwirtschaft. Nur etwa ein Fünftel der Obstgenossenschaften erwarten sich, den Bauern befriedigende Preise gewährleisten zu können. Der Importstopp Russlands und die Rekordernte in Europa haben zu einer schwierigen Vermarktung und sinkenden Apfelpreisen geführt. Diese liegen derzeit zwischen 10 und 30 Prozent unter jenen aus dem Vorjahr. Die große Erntemenge dürfte aber die Preiseinbußen teilweise ausgleichen können.

Die Erwartungen in der Weinwirtschaft sind besser. Immerhin 84 Prozent der Kellereien sind zuversichtlich, zufriedenstellende Preise für die angelieferten Weintrauben auszahlen zu können. Im vergangenen Herbst wurde circa 17 Prozent weniger Wein produziert als im Vorjahr, der Umsatz dürfte aber von möglichen Preiserhöhungen profitieren.

Am optimistischsten sind für 2015 die Milchhöfe und Sennereien. Laut Einschätzungen dürfte sich der Umsatz positiv entwickeln und fast alle Milchhöfe glauben, zufriedenstellende Preise an die Landwirte auszahlen zu können. Vor allem der italienische Markt, auf dem etwa 60 Prozent der Südtiroler Milchprodukte verkauft werden, dürfte sich heuer besser entwickeln als im letzten Jahr. Durch den Wegfall der Milchquoten in der EU werden künftig aber sowohl Preisdruck als auch Preisschwankungen auf dem Markt zunehmen.

Handelskammerpräsident Michl Ebner weist deshalb auf die Notwendigkeit zur Unterstützung der Berggebiete hin: „Unsere Bauern und Bäuerinnen pflegen die alpine Kulturlandschaft und schaffen damit auch eine wichtige Grundlage für den Tourismus. Sie können aber mit den industriellen Lebensmittelproduzenten in den Gunstlagen nicht konkurrieren. Auf europäischer Ebene müssen deshalb Förderungsmöglichkeiten gefunden werden, die eine Bewirtschaftung der Berggebiete auch weiterhin ermöglichen.“

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