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    Der zweite Trainerrauswurf

    Ein großartiger Erfolg: Die Damen des CF Südtirol haben es geschafft und den Aufstieg in die erste Liga fixiert. Der FC Südtirol hingegen reagierte am Sonntag auf die anhaltende Misserfolgsserie – und entließ den Trainer. 

    von Klaus Schuster

    Wenn das Fußballsportgericht nicht noch eine radikale Kehrtwendung macht und die 6 Punkte Abzug für Monza nicht noch revidiert, dann braucht man sich beim FC Südtirol keine ernsthaften Sorgen um den Klassenerhalt machen. Trotzdem musste man im Verein die Signale von elf sieglosen Spielen in Folge zur Kenntnis nehmen und reagieren. Und beim FCS reagierte man am Sonntag so, wie weltweit Vereinsleitungen meistens auf eine anhaltende Misserfolgserie reagieren: man entließ den Trainer.

    Trainer Adolfo Sormani hatte erst Mitte November Claudio Rastelli abgelöst und den FCS in 22 Meisterschaftsspielen betreut. Mit ihm auf der Trainerbank gewann unser einziger Profiverein die ersten 5 Meisterschaftsspiele in Folge! Am 07.02. 2015, also vor zweieinhalb Monaten, besiegte der FCS Cremonese daheim mit 3:1 und löste berechtigte Hoffnungen auf einen Aufstieg in die Serie B aus.

    Seit diesem Zeitpunkt ist die Mannschaft sieglos: in 11 Spielen gab es 7 Niederlagen und 4 Unentschieden.

    Der Trainerverschleiß beim FCS hat in den letzten Jahren beachtliche Ausmaße erreicht: Giovanni Stroppa, der nach drei Jahren wieder an seine ehemalige Wirkungsstätte zurückkehrt, ist schon der vierte Trainer in den letzten beiden Spielzeiten! Unter diesen Voraussetzungen kann es zu keiner kontinuierlichen Aufbauarbeit kommen und zudem entstehen beträchtliche zusätzliche Spesen!

    Während bei D’Anna von Beginn an alles schief lief, führte Rastelli in seinen ersten Monaten die Truppe noch ins Playoff um den Aufstieg, um dann zu Beginn dieser Saison den, zu hohen, Erwartungen nicht mehr zu entsprechen  und Mitte November nach 6 sieglosen Spielen entlassen zu werden.

    Sormani begann dann, wie schon erwähnt, hervorragend und musste jetzt seinerseits nach 11 sieglosen Begegnungen seinen Platz räumen. Das heißt entweder es läuft außerordentlich gut oder ganz schlecht.

    Wie man in der letzten Woche auch im Europacup gesehen hat, hängen Erfolge oft von Episoden und Kleinigkeiten ab. Kommt es aber zu länger andauernden Misserfolgsserien kann man sich nicht mehr auf Episoden oder unglückliche Zufälle berufen: da muss auch im Umfeld einiges nicht so funktionieren wie es sollte. Die sportliche Leitung muss als Filter und Stoßdämpfer zwischen Trainer und Vereinsleitung dienen und kommuniziert einige Dinge sicher nicht optimal. Es ist auf alle Fälle Fakt, dass der oder diejenigen, die für die Personalentscheidungen verantwortlich sind, letzthin wiederholt daneben gegriffen haben. Kurzfristig muss der Trainer die Konsequenzen tragen, aber irgendwann muss man halt auch hinterfragen, ob die sportliche Leitung und die Vereinsstrategie die Richtige sind! Jedes Jahr zwischen 12 und 15 neue, junge Leihspieler von den Serie A und Serie B Vereinen nach Bozen zu holen mag zwar kostengünstig sein, beinhaltet aber auch das Risiko, so wie in der laufenden Saison, primär Spieler zu holen, die keinen Qualitätssprung innerhalb der Mannschaft gewährleisten. Vielleicht gibt man in Zukunft besser für einen Akteur, der wie im letzten Jahr Pederzolli, seine Klasse bewiesen hat, gleich viel Geld aus wie für zwei neue junge Spieler, die dann fast immer auf der Ersatzbank sitzen!

    Giovanni Stroppa kann sich jetzt jedenfalls noch ein Bild über den Ist-Zustand seiner Mannschaft machen und dann gemeinsam mit den dafür Verantwortlichen die Planung für die nächste Saison angehen.

    In der regionalen Oberliga konnte der SC St. Georgen, bis vor drei Spieltagen noch Aufstiegsanwärter Nummer eins, auch in Lavis nicht gewinnen und liegt nun, zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte hinter dem Tabellenführer Levico. Levico schlug Salurn mit 2:0 und kann sich am kommenden Sonntag sogar eine Niederlage im schweren Auswärtsspiel in Tramin leisten, um am letzten Spieltag im Heimspiel gegen Eppan den Aufstieg in die Serie D klar zu machen.

    In der Landesliga trennten sich Weinstraße Süd und Obermais mit 1:1. Der lachende Dritte bei diesem Ergebnis heißt also ganz klar Naturns. Der Tabellenführer schlug seinerseits Neugries mit 4:0 und konnte seinen Vorsprung auf die Verfolger auf 5 bzw. 7 Punkte ausbauen. Eine Vorentscheidung wird in der Landesliga wohl schon im Laufe der nächsten Woche fallen, wenn drei Spiele innerhalb einer Woche auf dem Programm stehen. Am Mittwoch den 29.04. kommt es in Naturns zum direkten Aufeinandertreffen mit Obermais.

    Erwähnenswert ist in der diesjährigen Landesliga, in der generell viele Tore fallen, die Treffsicherheit von Ploses Stürmer Hansjörg Stockner und Naturns Angreifer Matthias Bacher: auch an diesem Wochenende waren beide wieder  dreimal !! erfolgreich und halten nun bei 27 bzw. 23 Volltreffern! Hansjörg Stockner hat somit alleine nur 1 Tor weniger erzielt als beim Tabellenzwölften Stegen die gesamte Mannschaft!

    Abschließend noch eine tolle Erfolgsmeldung: die Damen des CF Südtirol haben ihr vorletztes Meisterschaftsspiel auswärts in Franciacorta mit 4:1 gewonnen und stehen damit als Aufsteiger in die Serie A fest!

    Dies ist ein großartiger Erfolg für die Vereinsleitung, Trainer Alberti und seine Spielerinnen. Am nächsten Sonntag steigt beim letzten Heimspiel gegen Azzurra San Bartolomeo die Meisterfeier.

    In der Folge gilt es die Grundlagen für den Verbleib in der höchsten Serie zu legen: der Leistungsunterschied zwischen der viergeteilten Serie B und der höchsten Spielklasse ist natürlich gewaltig. Es war kein Zufall, dass sich in den letzten Jahren die meisten Aufsteiger nach einem Jahr wieder aus der höchsten Spielklasse verabschieden mussten!

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