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    Druck der Architekten

    Druck der Architekten

    Was steckt hinter der Entmachtung von Waltraud Kofler-Engl als Landeskonservatorin? Laut LR Florian Mussner geht es um eine Reorganisation der drei Ämter. In Wahrheit geht es um ihren Führungsstil und um heftige Kritik der Architekten an ihr.

    von Heinrich Schwazer

    Dass es Waltraud Kofler-Engl „an den Kragen gehen“ soll, pfiffen die Spatzen schon seit längerem von den Bozner Dächern. Die Brixner Kunsthistorikerin hatte im vergangenen Jahr zwar den Wettbewerb zur Besetzung der Abteilungsdirektion Denkmalpflege für sich entschieden, doch die Landesregierung brummte ihr zunächst eine sechsmonatige Probezeit auf, die anschließend um drei Monate verlängert wurde. Vorgestern traf die Landesregierung, dem Vernehmen nach nicht einvernehmlich, ihre Entscheidung: Zu Ungunsten von Kofler-Engl. Ihr Auftrag als Landeskonservatorin wird nicht verlängert.

    Verpackt ist die Entscheidung in eine Reorganisation der drei Ämter und in Einsparungszwänge: das Amt für Baudenkmäler soll der Abteilung für Raumordnung, Natur und Landschaft angegliedert, das Südtiroler Landesarchiv und das Amt für Bodendenkmäler der Abteilung Museen zugeschlagen werden. Die Grünen (siehe eigenen Kasten) protestieren dagegen und vermuten eine „verborgene Disziplinierungs-Aktion“ gegen eine „mutigen Amtschefin“. Der Architekt Walter Angonese kann in der Zusammenlegung des Denkmalschutzes mit dem Landschaftsschutz nur „Nonsense“ erkennen.

    Muss man, um eine Amtschefin zu „disziplinieren“ ein ganzes Amt über den Haufen werfen? Umstritten war Waltraud Kofler-Engl immer schon. LR Sabina Kasslatter-Mur hat ihre Ernennung zur Landeskonservatorin 2007 verweigert und Leo Andergassen von außen berufen. Der warf seinerseits 2013 zermürbt das Handtuch und wechselte als Direktor nach Schloss Tirol.

    Der ehemalige Personalchef des Landes Engelbert Schaller soll sich einmal öffentlich über sie als „ein zu harter Knochen“ beschwert haben und auch im Amt selbst gab es Probleme mit den Mitarbeitern, sodass eine Mediation notwendig wurde.

    Doch der stärkste Druck auf LR Mussner kam von den Architekten. „Nach zahlreichen Rückmeldungen von Kollegen über Probleme mit dem Denkmalamt, haben wir um ein Gespräch mit LR Mussner angesucht“, sagt der Vizepräsident der Südtiroler Architektenkammer, Wolfgang Thaler. Worum ging es bei der Aussprache? „Keinesfalls um eine Attacke gegen Kofler-Engl“, sagt Thaler. „Unser Problem ist, dass es im Denkmalamt praktisch nur Kunsthistoriker und nur eineinhalb Architekten gibt. Zum Vergleich: Im Denkmalamt von Trient sind 11 Architekten beschäftigt, mit denen die Kollegen auf Augenhöhe über technische Schwierigkeiten sprechen können. Das bringt es mit sich, dass man für kleine Eingriffe oft sehr lange auf eine Entscheidung warten muss und es gibt ein Unverständnis für technische Probleme.“ In der Zusammenlegung des Denkmalamtes mit dem Landschaftsschutz sieht Thaler keine Probleme: „In beiden Fällen geht es um Schutz und in Italien sind die Ämter längst vereint. Aufgabe eines Denkmalpfleger ist es zu schützen, es ist aber auch notwendig, Anpassungen vorzunehmen.“

    Die Initiative der Kammer hat nicht allen Architekten gefallen. Eine Gruppe von Architekten schrieb Anfang des Monats einen Brief an LH Arno Kompatscher, LR Florian Mussner, den Generaldirektor des Landes Hanspeter Staffler und den Ressortdirektor für Denkmalpflege Valentino Pagani. Zitat: „Als Mitglieder der Architektenkammer und täglich im Territorium agierende Planer erleben wir dieses Vorgehen als irritierend und inakzeptabel, weil transparente Entscheidungen aufgrund eines öffentlichen Wettbewerbs und eingesetzter Jury nun mittels intransparenter, inoffizieller mittel unterminiert werden und somit inakzeptabel sind.“

    Und weiter: „Wir können diese Attacke gegen die amtierende Landeskonservatorin nicht nachvollziehen und vor allem nicht gut heißen.“ Unterzeichnet ist der Brief von Gerd Bergmeister, Michaela Wolf, Klaus Hellweger, Gerhard Mahlknecht, Heinrich Mutschlechner, Kurt Egger, Martin Mittermair, Christine Wolfgang, Matteo Scagnol, Sandy Attia, Andrea Marastoni, Walter Angonese, Susanne Waiz und Christian Schwienbacher.

    Eine „angenehme Denkmalpflege“, so die Unterzeichner des Briefes, gebe es nicht. „Wir haben in der Landeskonservatorin Waltraud Kofler-Engl eine

    kompetente und entscheidungsfreudige, auf Augenhöhe agierende Person angetroffen, die mitunter im Dialog untereinander das öffentliche Interesse auch vehement eingefordert hat, nie aber destruktiv oder verhindernd war.“

     

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    Kommentare (16)

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    • Hubert

      ist sie etwa bei der „falschen“ Partei? Das würde Einiges klären, oder?

    • Veit

      SUPER die Architekten hier!!!
      ABER in den Gremien benehmen sich viele von Ihnen doch auch wie „Götter“, bestimmen über Sein und Nichtsein und lassen der Logik keinen Platz- zugunsten irgendwelcher Freunderlwirtschaft.
      Wie kompetent und transparent ist hier ABER auch zum x-ten Mal die Politik:
      KEINER kennt sich aus und KEINER ist es gewesen…..:-( …..,
      und das Gesetz ist nur in Härtefällen für Unangenehme (persone non grate) „für alle gleich“!
      Frau Dr. Kofler, ich kann Sie gut verstehen!!!
      Behalten Sie sich aber dennoch Ihren klaren Charakter!!!
      Dazu wünsche ich Ihnen viel Mut und Kraft!

    • Franz

      Es ist der Wahnsinn, diese superintelligenten Personen wäre besser als Lehrer aufgehoben. Bekleiden ein Amt
      Wollen sich Wichtig machen und haben von der Realität draussen keine Ahnung. Die Entscheidung im diesen Fall ist korrekt. Danke

      • George

        Franz, Sie sind mit ihren Aussagen „neben den Patschen“. Also ist auch diese Entscheidung in diesem Fall nicht korrekt. Franz drückt es ohnehin schon grammatikalisch falsch aus („im diesen Fall). Als Parteisoldat muss er sowieso der Gehirnwäsche folgen.

    • sepp

      Das ist ja die reinste Lobeshymne auf Kofler-Engl. Hört sich alles ganz gut an, das was mich aber wundert ist, dass es im eigenen Amt einer Mediation bedurf.

    • Sabine

      Weniger Beamte welche die Bürger schikanieren ist sinnvoll! Deshalb BRAVO Florian Mussner!

    • buergerin

      Fakt ist, dass Frau Kofler nicht den paar Architekten nicht passt (die vertreten naturgemäß die Bauspekulanten), sondern dem Athesiaclan und Durnwalder in die Quere gekommen ist.
      Also politische Verhinderung. Es sind nur Duckmäuser gefragt, die nicht der Sache dienen, sondern dem politischen System.
      Am 10. Mai sehen wir uns vor den Urnen!

      • Woll. Pertinger

        Durnwalder hätte wohl zumindest einen ordentlichen Krach mit der unbequemen Denkmalpflegerin inszeniert, Kompatscher macht das lieber schleimig grinsend hintenherum. Das ist eben der neue Führungsstil.

    • Luis

      Die Erneuerung mit den alten

    • Franz I

      Der Kompatscher soll bei sich mit der Schleimspur aufhören und sein Gehalt reduzieren, laut Montis Vorgaben.
      Das mit der Sonderautonomie in Sachen Gehälter ist pure Augenauswischerei.
      Verantwortung übernehmen wie Frau Kofler, ist in der SVP-Riege unerwünscht.
      da brauchts schon diese „Parteihanseln-Mitläufer“, alles Andere wird über kurz oder lang aus dem Weg geräumt!
      Weg mit dieser „grausigen“ SVP-Macht!
      Der Bürger hat die Wahl, bei den Gemeindewahlen die SVP immerhin finanziell stark zu schwächen, indem er Opposition wählt.
      Denn jeder gewählte SVPler zahlt in die Parteikasse, auch auf Gemeindeebene!

      • Andreas

        Schreib doch etwas konkreter und sachlicher, so kann man Deinen Frustabbau doch nicht ernst nehmen.
        Ohne Insiderwissen ist es in diesem Fall unmöglich sich ein Urteil zu bilden.

    • tja

      das ist in der Privatwirtschaft gang und gäbe…
      wenn dein Vorgesetzer mit dir zufrieden ist ….
      aber eine Mitarbeiterin anderer Abteilung nicht, aber es gut mit dem Chef kann…wird so lange gesucht bis man dir was anlasten kann, was eigentlich frei erfunden ist,
      dann kannst du abends deine 7sachen packen und auf und davon …
      als Grund von Eifersucht

    • Spaltpilz

      In gewissen Kreisen ist Inkompetenz selten ein Entlassungsgrund.
      Da wollte wohl der eine und andere Architekt, so richtig die Sau rauslassen, sich und dem Bauherrn ein Denkmal setzen, dann kommt so eine Tussi und eiert, also ab damit!

    • antigone

      herr mussner, sie sind noch von der alten garde, schon längst fällig, „rottamiert“ zu werden. Sie sind in ihrer ersten legislaturperiorode in die langesregierung (vom damaligen lh von außen be/gerufen) hinauf/hinein-gehievt worden….es ist relativ einfach, sich immer auf die seite der stärkeren zu schlagen.

    • Klaus

      Frau Engl. Sofort Parteikarte mit großem Edelweiß beantragen, evtl. noch rückwirkend für die letzten Jahre. Sie werden sehen, dann wird alles wieder gut:-))))!)

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