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„Kultur des Schweigens“

Präsident Helmuth Stuppner

Präsident Helmuth Stuppner

Der Traditionsclub Bozner FC könnte nach über 50 Jahren seine Tätigkeit einstellen. Ein Hilferuf und die Hintergründe.

Der Traditionsclub Bozner FC könnte nach über 50 Jahren seine Tätigkeit einstellen. Die Hintergründe. Der Verein hat 20 Mannschaften und betreut 400 SportlerInnen.

Die Gründe für diesen Aufsehen erregenden Hilferuf beschreibt Vereinspräsident Helmuth Stuppner in einem offenen Brief.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Vizebürgermeister!

Einer der größten Fußballvereine Südtirols mit einer über 50jährigen Vereinsgeschichte trägt sich mit dem Gedanken, die Aktivität mit nächster Spielsaison zu beenden und die Tore zu schließen. 

Wie konnte es dazu kommen?

Grund dafür ist die Vergabe der Fußballplätze in der Talfer, eine Ausschreibung, deren Ausgang für den betroffenen Bozner FC absolut nicht nachvollziehbar ist. Es geht auch nicht darum, dass man das Bild eines schlechten Verlierers machen möchte, aber der Zuschlag an den Verein Polisportiva Piani unter dem Präsidenten Mauro Bertoldi ist und bleibt in den Reihen des Bozner FC äußerst unverständlich und fragwürdig und würde wahrscheinlich einer genauen Überprüfung der Kriterien der Ausschreibung und Einhaltung selbiger kaum standhalten.

Für den Bozner FC kommen nun jährlich Kosten von über 25.000 € zustande, die an den Gewinner der Ausschreibung zu bezahlen sind, neben einer Reihe anderer Probleme und Konfliktpunkte, so wie z. B. den Umstand dass die primäre Entscheidungsmöglichkeit wer wann den Platz benutzen darf und wer nicht, der Polisportiva Piani obliegt und weder der Bozner FC noch die Gemeinde Bozen darauf einen Einfluss nehmen kann.

Dem noch nicht genug.

Der Verein Polisportiva Piani beansprucht nun über einen Rechtsanwalt selbst Räumlichkeiten innerhalb der Sportanlage, die eigentlich nicht Teil der neuen Konzession sind. Diese Räumlichkeiten wurden 2008 vom Bozner FC mit Beiträgen des Landes errichtet.

Die Anfrage des Bozner FC an das Amt für Sport der Gemeinde Bozen, ob diese Forderung mit dem Konzessionsvertrag im Einklang steht, blieb bis dato unbeantwortet, genauso wie der Antrag auf Einsicht in den Vertrag zwischen der Gemeinde Bozen und der Polisportiva Piani.

Diese wurde beantragt, da wir in Kenntnis dessen sind, dass verschiedene Verpflichtungen, welche die Polisportiva Piani bei der Vergabe der Plätze eingegangen ist um die notwendige guten Bewertung des Angebotes zu erlangen, nicht durchgeführt wurden.

Eine gute Kommunikation ist für uns ausschlaggebend und wir müssen Planungssicherheit haben. Selbst unsere diesbezüglich Anfragen bei der Polisportiva Piani blieben bis dato unbeantwortet. Wir haben 20 Mannschaften, betreuen 400 Sportler/innen und beschäftigen rund 50 Mitarbeiter.

Wenn wir von der Gemeindeverwaltung keine Unterstützung bekommen und auch kein Entgegenkommen des neuen Konzessionärs sichtbar wird, bleibt im Grunde nur ein Weg: jener der Auflösung des Vereins. Dies einerseits, da es organisatorisch nahezu unmöglich wird, den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und andererseits auch um ein hohes finanzielles Risiko vom Verein abzuwenden.

Wir sind Sportler aus Überzeugung und sind gerne bereit, vernünftig mit allen Beteiligten zu diskutieren.

Aber wenn die Kultur jene des Schweigens und Aussitzens ist, dann müssen die politischen Verantwortlichen auch die Konsequenzen tragen, so leid es dem Präsidenten Helmuth Stuppner und seinem Vorstandsteam auch tut. Der Ball liegt jetzt bei der Gemeinde.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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