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    „Tante-Emma-Läden schützen“

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    Wie Landeshauptmann Arno Kompatscher die Nahversorgung in Südtirol für die Zukunft absichern will.

    Die Nahversorgung ist in Südtirol noch flächendeckend intakt. Damit dies so bleibt, arbeitet das Land in zwei Stoßrichtungen:

    „Wir wollen über eine Durchführungsbestimmung unsere Handelspolitik langfristig absichern und mit einer Direktförderung die Grundversorgung aufrecht erhalten“, erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher.

    Landeshauptmann Kompatscher hat am Freitag bei einer Pressekonferenz am Ritten die Situation der Nahversorgung in Südtirol analysiert, die geplanten Maßnahmen zum flächendeckenden Erhalt derselben erklärt und ein erstes Fazit nach einem Jahr mit der neuen Direktförderung für die Tante-Emma-Läden gezogen. Den Ort für den Medientermin hat die Wirtschaftsabteilung des Landes bewusst gewählt: den Dorfladen der Familie Öhler in Oberinn. Dieser war einer von 53 Läden in Südtirol, der 2014 die Kriterien der neuen Sonderförderung erfüllt. „Für diese 53 Läden sind insgesamt 543.500 Euro an Förderungen, also etwa 10.000 Euro pro Geschäft, gewährt worden“, erklärte Abteilungsdirektor Hansi Felder bei der Pressekonferenz.

    Landeshauptmann Kompatscher betonte, dass diese Förderung eine der beiden Stoßrichtungen darstelle, mit denen die Landesregierung die flächendeckende Nahversorgung auf lange Sicht sichern wolle:

    „Südtirol gehört europaweit zu jenen Ländern, in denen das ‚Leben im Dorf’ noch gut funktioniert. In den vergangenen Jahren sind jedoch auch in Südtirol die Zeichen des globalen Strukturwandels sichtbar geworden, der insbesondere den kleinstrukturierten Einzelhandel, also die Nahversorgung im engeren Sinn, stark unter Druck setzt. Deshalb arbeiten wir auf der einen Seite daran, die jahrzehntelang in Südtirol erfolgreich praktizierte Handelspolitik fortzusetzen und streben eine Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut an, um auf diese Weise auf lange Sicht abgesichert zu sein. Abgesehen von dieser übergeordneten Grundausrichtung für unsere gewachsenen Handelsstrukturen haben wir festgestellt, dass die Nahversorgung mit Gütern des täglichen Gebrauchs in kleinen und entlegenen Ortschaften in Gefahr ist. Genau aus diesem Grund hat die Landesregierung im vergangenen Jahr die Förderung von kleinen Nahversorgungsbetrieben beschlossen, damit die Grundversorgung aufrecht bleibt“, führte Kompatscher aus.

    Mit der neuen Förderung werden Nahversorgungsbetriebe unterstützt. Darunter sind Handelsbetriebe zu verstehen, die in ländlichen Gebieten den Detailhandel mit einer großen Auswahl an Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs betreiben. Die Wirtschaftsabteilung des Landes hat nach den Erfahrungen des ersten Förderjahres die Kriterien nun geringfügig angepasst.

    Diese sehen vor, dass Läden die Mittel beanspruchen können, wenn sie in Ortschaften mit mindestens 150 Einwohnern angesiedelt und mindestens 2,5 Km vom nächsten Handelsbetrieb mit einem angemessenen Lebensmittelangebot entfernt sind. Weitere grundsätzliche Voraussetzungen sind ein durchschnittlicher jährlicher Mehrwertsteuerumsatz der letzten drei Jahre von weniger als 400.000 Euro, höchstens drei Vollzeitbeschäftigte, höchstens 150 Quadratmeter Verkaufsfläche und tägliche Öffnungszeiten von mindestens drei Stunden an sechs Wochentagen. Förderansuchen für die Eröffnung von Dorfläden können an zwei Terminen im Jahr, nämlich zum 31. Mai oder zum 30. September eingereicht werden, Ansuchen für die Aufrechterhaltung des Geschäfts bis zum 31. Mai 2015.

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    Kommentare (10)

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    • Flocky

      Nachdem in Bozen megagroße Handelsstrukturen gebaut werden und somit die Handelsflächen innerhalb weniger Jahre vervielfacht werden, frage ich mich woher die ganze Kaufkraft kommen soll. Leider können wir nicht einfach mehr Kaufkraft bauen. So wird´s aussehen: die Leute gehen immer mehr nach Bozen oder in große Supermärkte zum Einkaufen und im Dorf wird dann immer mehr die Grundversorgung zurückgehen. Und hören die alten Besitzer auf kommt kein neuer junger Unternehmer nach. Unsere Politstrategen sollten einfach einmal nach Österreich oder auch nach Deutschland schauen, denn da versuchen sie jetzt die Schlamassel die sie mit Ihrer Handelspolitik gemacht haben, wieder gut zu machen.

    • Rubia

      Wann bekommen die Hausfrauen und Arbeiterfamilien einen Landeszuschuss für die überhöhten Preise, die die sogenannten Tante-Emma-Läden, speziell in den Dörfern mit ausgeprägter Tourismuswirtschaft, praktizieren?
      Wann endlich wird der monatliche Regionalzuschlag auf die Einkommenssteuer der Arbeiter und Angestellten vollkommen gestrichen, oder werden diese Gelder diesen cleveren Geschäftsleuten zugeschanzt?

    • Batman

      Auch das richtige Mittel in der Hand eines Verkehrten, wirkt verkehrt!
      Chinesischer Weisheitsspruch!
      Steuern da und Förderungen dort = Umverteilungen und Verzerrungen!
      Go home Landeshauptmann, sell isch gscheider!

    • Batman

      „Wir leben in keiner normalen Zeit, sondern in einer Zeit der letztmöglichen Abkehr vom programmierten Untergang der Menschheit.“
      Hans-Joachim Führer

      Die Krise habt ihr Politiker nicht einmal ansatzweise verstanden, denn dazu
      seid ihr einfach zu blöd!

    • Herrgott

      Die Preise in diesen Gaggile-Läden sind sehr hoch, und zusätzlich bekommen sie noch 10.000 Euro von unseren Steuergeldern? Eine Sauerei. Kaufe nur noch im Supermarkt.

      • Hush

        @ Herrgott
        Ist es wirklich so schwer zu verstehen, wieso die „Gaggile“ Geschäfte teurer sind; ja teurer sein müssen?? Eine große Handelskette verkauft von einem Produkt tausende Stück, ein kleines Geschäft vielleicht einige Dutzend. Der Supermarkt bekommt beim Einkauf dieser Riesenmenge ganz andere Mengenrabatte als der Dorfladen; dieser wiederum muss bei einer geringen verkauften Menge höhere Preise kalkulieren um überleben zu können.
        In einem Dorf wohnen auch ältere Menschen die nicht so leicht in die Stadt kommen um einzukaufen. Aber das interessiert Sie wohl nicht.
        Vergessen Sie bitte außerdem nicht die geschaffenen Arbeitsplätze die in kleinen Orten oft eher Mangelware sind als in den Städten.
        In der Wirtschaft arbeiten Sie aber nicht, Herr „Herrgott“, oder?
        PS. Ich habe und hatte nie so ein „Gaggile“ Geschäft, hatte aber viele Jahre mit diesen Kleinunternehmern zu tun und kenne ihre Probleme.

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