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    ArcadiaLego im Meraner Marconi Park: Geschichte als Lego-Spielplatz.

    ArcadiaLego im Meraner Marconi Park: Geschichte als Lego-Spielplatz.

    Hannes Gamper und Karl-Heinz Einberger vom Künstlernetzwerk netzhalde transformieren für den Meraner Frühling „Art & Nature“ den ehemaligen Minigolfplatz im Marconi Park in eine „neue Ruine“.

    Von Heinrich Schwazer

    Bis Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte der Marconi Park den Evangelischen Friedhof der Gemeinde Meran, in den 30er Jahren wurde er nach dem Muster italienischer Renaissancegärten in eine Parkanlage umgewandelt. Ab den 1970er Jahren wurde er als Minigolfplatz genutzt. Als das Freizeitvergnügen an Faszination verlor, verfiel die Anlage und wurde in den 1990er Jahren aufgelassen.

    Was tun mit dem verwahrlosten Platz im Herzen Merans. Das Festival Meraner Frühling „Art & Nature“ hat den einzig richtigen Weg gewählt und Künstler mit der Rückgewinnung beauftragt. Für ihr Projekt haben Hannes Gamper und Karl-Heinz Einberger vom Künstlernetzwerk netzhalde zusammen mit dem Streetworker-Verein die zurückgebliebenen Bodenplatten der Anlage eingesammelt, gesäubert und daraus eine Ruine gebaut. 22 Tonnen Material wurden aus dem Boden gehoben, von Moos befreit und zu Bausteinen für ein Bauwerk umfunktioniert, das an die Ausgrabungsstelle einer römischen Villa erinnert.

    Der Titel „ArcadiaLego“ zitiert eine berühmte lateinische Sentenz, die erstmals auf einem Gemälde von Guercino (1616-1620) auftaucht und später von dem französischen Barockmaler Nicolas Poussin aufgegriffen wurde. In der von Vergil ersonnenen idyllischen Landschaft entdecken Hirten ein Grab mit der Inschrift „Et in Arcadia ego“. Die häufig falsch gedeutete Inschrift meint nicht das Wort eines Reisenden, der verkündet, auch er sei in Arkadien gewesen („Auch ich (war) in Arkadien“), sondern die Anwesenheit des Todes. Selbst in Arkadien gibt es mich – den Tod.

    Die Motive der Arkadien-Sehnsucht und des Memento Mori als Sinnbild der Vergänglichkeit verschmelzen im Projekt von netzhalde in einem ironischer Grundton, der Gegenwart und Vergangenheit in einen Lego-Spielplatz verwandelt. Die freigelegten Schichten werden wie Legobausteine zu einer „neuen Ruine“ aufgebaut.

    Mit der nostalgischen Ruinenromantik des 19. Jahrhunderts hat diese nichts zu tun, viel jedoch mit der erschreckenden Aktualität, die das Thema Ruine seit den Ereignissen des 11. September 2001, als die Twin Towers in New York in Schutt und Staub zerfielen, gewonnen hat. In Zeiten, in denen das Neue in immer schnelleren Rhythmen veraltet, steht paradoxerweise gerade die Ruine für Dauer und Identität.

    Das 2000 von den Bildhauern Karl-Heinz Einberger, Hannes Gamper, Valentin Goderbauer und Stefan Wischnewski gegründete Künstlernetzwerk netzhalde verwirklicht in wechselnder Besetzung ortsspezifische Interventionen, Ausstellungen und temporäre Projekte. In Südtirol waren sie zuletzt mit einem Projekt zur Sammelleidenschaft im Cubo Garutti des Museion Bozen (2007) und einem Konzert auf dem Meraner Sparkassenplatz „public energy“ (2012) präsent. Zentral in all ihren Arbeiten ist die Lust am Partizipativen und die Idee einer nicht-exklusiven Kunst, die zu kollektiven Erfahrungen anregt. Ihr neues Arkadien ist von der Geschichte des Platzes imprägniert.

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