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    Tradition & Trauer

    Tradition & Trauer

    Trotz Sonnenschein, buntgefärbten Eiern und gutem Essen ist die Telefonseelsorge der Caritas zu Ostern besonders gefragt: Die Leiterin Silvia Moser über Südtiroler, die bei der Telefonseelsorge Halt suchen.

    Tageszeitung: Man sagt doch, dass man Weihnachten im Kreise der Familie feiert – und Ostern mit wem man will. Warum nehmen die Südtiroler in diesen österlichen Tagen die Telefonseelsorge der Caritas dennoch besonders in Anspruch?

    Silvia Moser: Die Südtiroler sind sehr traditionsgebunden und verbringen diese Zeit nach wie vor im Kreis ihrer Familien und Verwandten. Deshalb spüren sie in diesen Tagen die Einsamkeit umso stärker. Ostern ist, gerade in den Tagen vorher, nicht ein fröhliches Fest.

    Die Menschen spüren die gedrückte Stimmung, die mit dem Tod und dem Sterben zusammenhängt. Viele stellen sich Sinnfragen und denken über die Endgültigkeit des Lebens nach.

    Andererseits gibt es auch die Menschen, die sonst in ihrem Beruf und in der Routine ihres Alltages eingebunden sind und die plötzlich ein paar Tage lang mit ihren Familien oder ihrem Partner zusammensitzen müssen. Oft entstehen dabei Konflikte, denen man in diesen Momenten kaum noch aus dem Weg gehen kann.

     

    Gibt es zu Ostern mehr Anrufe bei der Telefonseelsorge?

     

    Wir verzeichnen rund zehn Anrufe mehr am Tag. An Weihnachten rufen die Menschen vor allem am Abend an, zu Ostern variieren die Zeiten und hängen oft auch direkt mit dem Wetter zusammen. Manchmal melden sich die Leute, weil sie einen konkreten Rat wollen oder weil sie über ihre Probleme und Ängste sprechen wollen. Manchmal ruft jemand auch in einem Moment der Verzweiflung an, wenn er direkt am Abgrund steht.

     

    Zu Ostern blüht die Natur und die Tage werden länger: Das müsste den Menschen doch auch über schwierige Momente ein wenig hinweghelfen?

     

    Das hilft gesunden Menschen. Aber gerade diejenigen, die bereits an Depressionen leiden – und das sind viele, die sich bei der Telefonseelsorge melden – können mit dem Frühling nicht umgehen. Rund um ihnen erwacht alles und sie können da nicht mithalten und geraten ins Abseits. Diese Frühjahrsdepressionen sind ein großes Problem.

    Bei uns melden sich aber Menschen aus allen Schichten und mit den unterschiedlichsten Problemen. Viele von ihnen sagen in den Gesprächen auch, dass sie sich vor wenigen Wochen noch nicht gedacht haben, dass sie irgendwann einmal eine Telefonseelsorge anrufen werden – und plötzlich stehen sie da und ein Problem schwappt über sie herein und sie haben einfach das Bedürfnis mit jemandem darüber zu reden. Und gerade an solchen Feiertagen werden sie sich dieser Probleme und Schwierigkeiten bewusst.

     

    Interview: Karin Köhl

     

    Seelsorge am Telefon

    Sie haben an 365 Tagen im Jahr ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Südtiroler – so auch an Feiertagen. Bei der Telefonseelsorge der Caritas gibt es 80 ehrenamtliche Mitarbeiter, die unter der Grünen Nummer 840 000 481 rund um die Uhr zur Verfügung.

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    Kommentare (17)

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    • Isaia

      Wenn die Leute halt Probleme hätten, ja, das wäre di ideale Basis, wo die Kirche fußfassen könnte. Und bei jedem größeren katho-religiösen Fest (Weihnachten u. Ostern speziell) – wirft das Presseamt der kath. Kirchen-Organisation prompt die Angel aus, um neue Kundschaften zu ergattern.

      • Graf von Tilly

        Die Telefonseelsorge ist nicht dazu da, „neue Kundschaften zu ergattern“, sondern Menschen in Krisen und Depressionen zu helfen, ihnen vor allen Dingen zuzuhören und ihre Sorgen und Nöte ernstzunehmen.

        Es ist aber anzuerkennen, dass praktizierende Katholiken weniger anfällig für derartige schwierige Lebenslagen sind als nicht-religiöse Mitbürger.

    • Wolf

      Welcher Gruppe werden nicht praktizierende Katholiken dann zugerechnet?

      Eine Studie unter rund 8.300 Personen aus sieben Ländern, 2013 in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht, kommt übrigens zu folgendem Schluss:

      „Die Ergebnisse stützen nicht Ansicht, dass religiöse und spirituelle Lebensansichten das psychische Wohlbefinden verbessern.“

      http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?aid=8988733&fileId=S0033291712003066

    • Wolf

      Was ist nun mit den nicht praktizierenden Katholiken?

      • Graf von Tilly

        Ein nicht praktizierender Katholik hat vor allen Dingen ein Glaubwürdigkeitsproblem: Ist er von der Richtigkeit des katholischen Glaubens überzeugt, warum handelt er dann nicht gemäß diesem Glauben? Ist er nicht von der Richtigkeit überzeugt, warum ist er dann Katholik?

        Besagter nicht praktizierender Katholik sollte sich also einfach mit den Inhalten des Glaubens auseinandersetzen.

        Vielleicht hilft ihm – um die Inhalte kennen zu lernen – ein katholischer Katechismus, hier zum Download als PDF (20,4 MB):
        https://archive.org/download/KatholischerKatechismusDerBistmerDeutschlands/KatholischerKatechismusDerBistmerDeutschlands.pdf

        • Wolf

          Die religiös inhaltliche Debatte interessiert mich in diesem Zusammenhang eigentlich weniger, aber dass du Religiosität ausschließlich mit praktizierendem Katholikentum assozierst, spricht für sich…von dem schiefen pseudowissenschaftlichen Diskurs ganz zu schweigen.

          • Graf von Tilly

            Wo habe ich Religiosität ausschließlich mit praktiziertem Katholizismus – den du pseudointellektuell „praktizierende[s] Katholikentum“ (sic!) nennst – identifiziert?

            • Wolf

              „Daher kann eine falsche Religion – wie der Islam oder der Buddhismus – meinetwegen völlig verschwinden.“

              Allein wer sowas von sich gibt, beweist, welch kleines Licht er ist.

            • Graf von Tilly

              Überfordert dich die Frage nach der wahren Religion derart, dass du keine Argumente mehr hast?

            • Wolf

              Wer sowas von sich gibt, sollte sich in erster Linie und ausnahmslos mit dem eigenen, allumfassenden und permanenten Zustand der Überforderung beschäftigen und auseinandersetzen.

            • Graf von Tilly

              Das war jetzt leider wieder kein Argument. Aber du hast dich redlich bemüht.

            • Wolf

              Einem so augenscheinlich Verblendeten mit Argumenten begegnen zu wollen, hieße sich selbst auf ein Niveau jenseits aller Vernunft und Argumente begeben zu müssen, was doch einer überaus sinnlosen und müßigen Übung gleichkommen würde.

              “Daher kann eine falsche Religion – wie der Islam oder der Buddhismus – meinetwegen völlig verschwinden.”

              Jemand, der so etwas von sich gibt, sollte einfach einmal ganz tief in sich gehen und sich mit sich selbst auseinandersetzen. Ihm selbst wäre damit geholfen, und was noch viel wichtiger ist, die Welt würde zu einem etwas besseren und friedlicheren Ort werden.

            • Graf von Tilly

              Wusstest du, dass sich die verschiedenen Religionen direkt widersprechen? Dann können nicht alle Recht haben und auch nicht alle wahr sein, oder?

    • Wolf

      Zwischen (nicht) die Ansicht stützen und beweisen besteht übrigens ein großer Unterschied.

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