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Die Ohrfeige

mord ester alexDie des Mordes verdächtigte Ester Quici sieht sich nach der Autopsie in ihrer Selbstmord-Version bestärkt. Sie habe, so sagt ihr Anwalt, die Wunden von Alessandro Heuschreck sogar verarztet. Und ihm eine Ohrfeige verpasst.

von Thomas Vikoler

Das Ergebnis der Autopsie, die am Samstag im Bozner Spital durchgeführt wurde, soll erst in drei Monaten vorliegen.

Die Interpretation der vorläufigen Untersuchungsergebnisse gehen bereits jetzt weit auseinander: Während Oberstaatsanwalt Guido Rispoli erklärte, eine Fremdeinwirkung sei eindeutig bewiesen, stritt dies Enrico Lofoco, der Anwalt der unter Mordverdacht stehenden Ester Quici, 34, am Montag im Gespräch mit der TAGESZEITUNG ab:

„Die zehn Einstiche, von denen keiner tödlich war, sind im Zuge eines Handgemenges entstanden. Da lässt sich nicht genau feststellen, wer zugestochen hat“.

Anwalt Enrico Lofoco

Anwalt Enrico Lofoco

Tatsächlich sprach der Pathologe der Staatsanwaltschaft, Mattia Barbareschi, von einem „komplexen Fall“. Alessandro Heuschreck, 50, ist vor zehn Tagen demnach an einer inneren Blutung gestorben, offenbar begünstigt durch einen gesundheitlich schwer angeschlagenen Körper. Die Rippenverletzung infolge eines Sturzes, wegen der Heuschreck 30 Tage im Krankenstand war, ist damit nicht gemeint.

Das kontroverse Ergebnis der Autopsie bestärkt Quici und ihren Anwalt, weiter die Selbstmord-Version zu fahren. In einigen Tagen will Lofoco die Wiederprüfung der Haftvoraussetzungen beantragen. Vor einer Woche hatte Voruntersuchungsrichter Andrea Papparella aufgrund der zahlreichen Widersprüche Quicis und des schwerwiegenden Tatverdachts U-Haft angeordnet.

Hingewiesen wird in der Verfügung auch darauf, dass zwischen der vermeintlichen Bluttat und dem Rettungsruf Quicis knapp 40 Minuten vergingen.

Dazu gibt es nun eine Rechtfertigung der Tatverdächtigen: Nach dem Selbstmordversuchs und dem Handgemenge habe sich ihr Lebensgefährte am Boden hingesetzt, um zur Ruhe zu kommen. „Meine Mandantin hat einige Wunden verarztet, Heuschreck hat sie gebeten, nicht die Rettung zu rufen, er werde sich wieder erholen“, sagt Verteidiger Lofoco.

Ester Quici habe ihrem Partner sogar eine Ohrfeige verpasst, um ihn wachzuhalten und damit das Atmen zu erleichtern.

Die drei Brüder von Alessandro Heuschreck bereiten sich bereits auf einen Mordprozess vor.

Sie haben den Anwalt Renato Brazzini beauftragt, ihre Interessen wahrzunehmen.

 

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