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    Verfälschtes Ergebnis?

    Der Schützenbund zerpflückt die Online-Befragung des Landesbeirates der Eltern und zweifelt das Ergebnis an.

    Vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse einer großangelegten Elternbefragung in Südtirol durch den Landesbeirat der Eltern (LBE) für die deutsche Schule präsentiert. Sie sollen als zukünftige Richtschnur dienen.

    Die Zugangsdaten zur Umfrage wurden in den vergangenen Monaten durch die deutschen Kindergärten und Schulen des Landes an die Eltern verteilt. Über einen Code konnten die Erziehungsberechtigten an einer Online-Befragung teilnehmen. Über 50.000 Teilnahmecodes wurden ausgegeben. Laut LBE konnte pro Schüler oder Kindergartenkind nur einmal an der Umfrage teilgenommen werden.

    Dem Südtiroler Schützenbund liegen aber Informationen vor, dass dem nicht so ist. In einem Kindergarten beispielweise habe ein ganzer Stapel von Zugangsdaten mit Codes aufgelegen., welche frei mitgenommen werden und frei ausgefüllt werden konnten.

    In einer Aussendung schreibt der Schützenbund:

    Angeblich wurden von 13.000 der 82.000 Kinder durch deren Eltern die Fragen beantwortet. Wie viele Eltern effektiv daran teilgenommen haben, ist nicht bekannt, da jede Person, auch Nichteltern, die Zugangsdaten hätten mitnehmen und ausfüllen können.

    War ursprünglich der Einsendeschluss mit 1. März 2015 angegeben, konnte auch noch Tage danach an der Umfrage teilgenommen werden.

    Wohl ein Indiz dafür, dass bis Anfang März noch wenige Eltern abgestimmt hatten. Im Grunde genommen hätten die Mitglieder des LBE auch selbst an der Umfrage alleine teilnehmen können. Denn die Gangart war von vornherein schon klar.

    Es ging in den Fragen nicht etwa um die Wünsche der Eltern, sondern um die Wünsche des LBE, vor allem, was den Fremdsprachunterricht Italienisch und die Aufweichung des muttersprachlichen Unterrichts in der deutschen Sprache betrifft.

    Bildschirmfoto 2015-03-26 um 10.52.59Eindeutig scheinen die Ergebnisse zu sein, was die zukünftige Rolle des Unterrichtsfaches Italienisch betreffen. Laut der Präsentation der Ergebnisse, die von den Initiatoren aufbereitet wurde, geht hervor, dass ¾ der Eltern eine stärkere Berücksichtigung der italienischen Sprache in der Schule wünschen würden. Betrachtet man die Ergebnisse aber genauer, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Im dargestellten Kreisdiagramm wurden alle Antwortmöglichkeiten, die sich nicht für die Beibehaltung des Status Quo aussprachen, zu einem einheitlichen Block zusammengefasst.

    So entsteht der Eindruck einer überwältigenden Mehrheit für die Ausweitung des Italienisch-Unterrichts. Tatsächlich spricht sich aber rund die Hälfte davon für eine qualitative Verbesserung des Unterrichts aus.

    Die andere Hälfte derer, die beim Italienischunterricht etwas verändert wissen wollen, ist für den Immersionsunterricht, und eine Minderheit für die Zusammenlegung der Schulen. In der Umfrage hatte man aber den Eindruck, sich zwischen Beibehaltung, qualitativer Verbesserung und quantitativer Erweiterung des Italienisch-Unterrichts entscheiden zu können.

    In den Ergebnissen muss man mühsam danach suchen.

    Die Auswahlmöglichkeit, dass Lehrpersonen besser ausgebildet und die Unterrichtsmethodik verbessert werden sollten, bestand erst gar nicht. Und die Möglichkeit, weniger Italienischunterricht auszuwählen, wurde den Eltern erst gar nicht gegeben. Bei einer der nachfolgenden Fragen konnte man hingegen eigenartigerweise auswählen, sich weniger Deutschunterricht zu wünschen.

    Was beim Thema „Italienisch“ nicht einmal zur Auswahl stand, konnte bei der Frage nach dem Umfang des Unterrichts von Hochdeutsch in Sprechen und Schrift von den Teilnehmern angekreuzt werden: die Möglichkeit, den Sprachunterricht in Deutsch zu reduzieren. Allerdings haben die Eltern von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch gemacht: Die Mehrheit ist zufrieden, mit einer Tendenz zur Erhöhung. Ein Zeichen dafür, dass die Eltern die Anzahl der Stunden in der deutschen Sprache mehrheitlich nicht reduziert haben möchten.

    Zurück bleibt bei dieser sehr wichtigen Umfrage der Beigeschmack, dass bei genauerer Betrachtung das gewünschte Ergebnis vom Landesbeirat der Eltern in sensiblen Themenbereichen herbeigefragt und herbeigedeutet worden ist.

    Die Umfrage gilt, nach Aussage der Initiatoren, als repräsentativ. Was bei der aufgezeigten Vorgangsweise repräsentativ sein soll, bleibt dem Südtiroler Schützenbund verschlossen.“

     

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    Kommentare (40)

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    • Karin B.

      Hinter diesen Fragen und wie diese formuliert werden sollen steckt Kalkül gegen die Deutsche Sprachgruppe in diesem Land. Die teuren Umfragen werden gegen die deutschsprachige Bevölkerung und gegen die deutsche Sprache instrumentalisiert.
      Ein Akt der politische Konsequenzen haben sollte. Meine Konsequenz ist: Ich wähle eine deutschsprachige Oppositionspartei bei den Gemeinderatswahlen, aber sicher nicht die Grünen die in dieser Umfrage mit verwickelt sind.

    • Verwunderlich

      aufgefallen ist mir… dass hauptsächlich deutschsprachige mitbürger…. eltern aus deutschland… sich stark machen… mehr italienisch in den unterricht hinein zu kriegen…. simpel ausgedrückt… die führungsrollen übernehmen sie…. mit ihrer sogenannten umgangssprache….

    • verlorenes Schaf

      Liebe „Tirolibans“ bitte kommt im 21.Jahrhundert an und lebt nicht nur in der Vergangenheit.

      • walter

        was bist du dann? Ein „Italiban“? 🙂

      • THEMA

        Da verlangen Sie zuviel von diesen Leuten. Nur wer in der Vergangheit lebt kann davon träumen
        im Gleichschritt zu marschieren und in die Luft zu schiessen.

      • Beate

        Was ist denn falsch dran, wenn man sich in einem – vorwiegend – deutschsprachigen Land in erster Linie sich für erstklassigen Deutschunterricht interessiert?
        Wenn Deutsch die Vergangenheit ist und Italienisch die Zukunft, dann bist du wahrlich ein verlorenes Schaf!

        • verlorenes Schaf

          Liebe Frau Beate,
          es ist überhaupt nichts falsch daran wenn man sich für einen erstklassigen Deutschunterricht interessiert.
          Eine Verbesserung der italienischen Sprachkenntnisse durch Erhöhung der Stunden, oder aber durch sog. Immersionsunterricht sehe ich persönlich als eine Bereicherung in unserem mehrsprachigen Land.
          Ihrer Schlussfolgerung, dass Deutsch damit der Vergangenheit angehört und Italienisch die Zukunft ist, kann ich leider nicht folgen.

          • Ivo

            „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.“ (Norbert Paul) Ich glaube das trifft beim verlorenen Schaf zu…….

            • Alter Egon

              „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“
              George Bernard Shaw.

            • martin

              Oder: Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft
              G. O.

          • Josef

            ich sehe das für komplett falsch an. Leider ist der Deutschunterricht schlechter geworden. Der Italienischunterricht ist immer noch wie vor 50 Jahren aufgebaut. Eine angebliche 2. Sprache, statt eine 1. Fremdsprache.
            Italienisch ist nun mal aber eine Fremdsprache und keine 2. Muttersprache.

        • achso

          Erstklassiger Deutschunterricht schließt keinen erstklassigen Italienischunterricht aus. Es geht hier nicht um „entweder oder“, es geht hier um „sowohl als auch“. Das ist der entscheidende Punkt.

    • Spaltpilz

      Mir ist es vollkommen unverständlich, wie man in der heutigen Welt glauben kann, dass Mehrsprachigkeit ein Nachteil sei!

    • Garuda

      Schon lustig, jetzt wird in einer Aussendung das bestätigt, was ich gleich vor Tagen schon angemerkt habe zu dieser politisch unkorrekten und auch teilweise gezinkten Umfrage.

      Natürlich hat sich der grüne Egon dagegen verwehrt, dass dies bestimmten politischen Kreisen das Wort redet.

      Nur interessant, dass dies jetzt auch von einer hochoffiziellen Seite (auch wenn ich politisch damit nicht sympathisiere) bestätigt wird.

      Also diese Umfrage ist nicht das Papier wert, das sagte ich schon gleich vor einigen Tagen, als TZ manche Auswertungen dieses ominösen Vereins veröffentlicht hat.

      Eine Schande, dass eine unpolitische Frage politisch so missbraucht wird.

      Die Südtiroler Schulen können, wenn der Landesrat dies nicht unterbindet, bald zusperren, denn das Niveau ist mit solchen Diagnosen aus solchen Umfragen unter jeder Kritik.

      Quo vadis Südtirol.

      • Alter Egon

        @Garuda, da du auf meinen Kommentar neulich nicht mehr geantwortet hast, kopier ich ihn hier nochmal rein:

        Ich kann nicht beurteilen ob der Unterricht von Italienischlehrern und rinnen grundsätzlich schlecht ist, bzw. schlechter als jener der Deutsch oder Sonstwas Lehrer. Zu meiner Schulzeit war das Problem eher der ständige Wechsel des Lehrkörpers.
        Dass die Wenigsten nach der Schule Italienisch können ist damals wie heute vor allem auf dem Land ein Fakt. Dass sich die Eltern wünschen, dass sich was ändern soll kann man der Studie entnehmen. Daraus zu schließen es komme von Italienisch-Grüner Seite und sei die Vortür zum Immersionsunterricht, finde ich dann doch etwas übertrieben.
        ich hab dich eigentlich nur gefragt, ob du schon wieder etwas (mit vorgefertigten Meinungen) kommentierst, das du gar nicht gelesen hast.
        Du hast das offensichtlich nicht verstanden und entliest meinem Kommentar, dass ich Grüner und (somit?) für den Immersionsunterricht sei. Wie kommst du da drauf? Hab ich das irgendwo geschrieben? oder habe ich irgendwo geschrieben, dass ich die Studie toll und objektiv finde?

    • Leitwolf

      Ich habe auch an der Umfrage teilgenommen und ich habe auch mit einigen Eltern gesprochen wie sie das mit dem italienisch Unterricht an der Schule finden. Wirklich alle haben zu mir gesagt, wir müssen besser italienisch lernen. Ich habe noch keine Mutter bzw. Vater gehört, die nicht den Wunsch haben, dass der italienisch Unterricht an den Schulen verbessert werden sollte bzw. muss.
      Für mich persönlich ist das Erlernen einer Sprache eine enorme Bereicherung und verstehe einfach einige Kommentare hier nicht. Die italienisch Lehrerin an unserer Grundschule ist wirklich hervorragend und ich bin froh, dass wir sie haben.
      Ich glaube einige hier, vor allem die Anhänger der deutschen Rechtsparteien, würden lieber chinesisch als italienisch lernen.

      • Ilsebyll

        Das Problem sind aber die Methoden, nicht die Anzahl der Stunden. Eine Sprache als Zweitsprache zu unterrichten ist ganz was anderes als das, was viele Itallehrer in allen Schulstufen heute noch praktizieren.

        • Garuda

          @Islebyll

          Du bringst es auf den Punkt, denn es ist ein Schwachsinn, zu unterstellen, Südtiroler würden lieber chinesisch als italienisch lernen. Gerade bei der deutschen Minderheit ist das Interesse groß, die Zweitsprache zu erlernen und zu beherrschen, ob dies auch bei den italienischen SüdtirolerInnen auch so ist, bezweifle ich.

          Neulich habe ich eine italienische Maturantin getroffen, die betonte, sie würde gerne so gut Deutsch können, wie die deutschen Maturanten italienisch. Auf die Frage, was sie denn im Deutschunterricht gelernt hätten, behauptete sie, dass es lediglich Guten Morgen und Gute Nacht und das Zählen bis 100 war. Ob nun gelogen oder nicht, Tatsache war und ist, sie konnte keinen einzigen ganzen deutschen Satz sprechen. Und das Mitten in Südtirol.

          @Leitwolf

          Noch etwas: Wäre es im Sinne der Globalisierung und der entscheidenden Wirtschaftsentwicklungen nicht ratsamer allen Südtiroler SchülerInnen (egal welcher Muttersprache, wenn sie bei den Umständen, dass es mehr als eine Milliarde Chinesen (auf aufsteigendem Wirtschaftsast zur vielleicht führenden Wirtschaftsmacht des Jahrhunderts auf der Welt gibt und nur ca. 60 Mill. ItalienerInnen (auf absteigendem Wirtschaftsniveau) gibt?

          Viel Spass bei der Beantwortung der Überlegung.

    • Demosthenes

      Es ist höchst an der Zeit, dass Landesrat Philipp Achammer sich hier zu Wort meldet und der tendentiösen, manipulativen und verfälschenden Vorgehensweise des Landesbeirates die rote Karte zeigt.

      Oder schaut die SVP weiterhin seelenruhig zu, wie PD und Grüne in kolonialistischer Art und Weise die deutsche Sprache schwächen will?

      Was kommt als Nächstes?

      “Um die Völker auszulöschen, beginnt man damit, sie ihrer Erinnerung zu berauben. Man zerstört ihre Bücher, ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre Symbole, ihre Fahne. 
      Und irgendjemand anderer schreibt dann ihre Bücher, gibt ihnen eine andere Kultur, erfindet für sie eine andere Geschichte und zwingt ihnen andere Symbole und eine andere Fahne auf. 
      Danach beginnt das Volk zu vergessen, wer es gewesen ist, wenn nicht die geschichtliche Erinnerung von neuem geweckt wird.“ 
       
      (Gabriele Marzocco, Journalist und Vorkämpfer für die Bewahrung ethnischer Identitäten, Gründer der Zeitschrift “ Nazione Napoletana“)

    • yes

      gute Analyse zum Thema: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=22991

      auch zum Beweis, dass die Protestrufe nicht nur aus einer bestimmten Ecke kommen! 😉

    • Verwunderlich

      die schuld haben immer die lehrer…… was mich betrifft… so rede ich einfach italienisch mit meiner tochter…. so hat sie einen 9er in deutsch und einen in italienisch… und die italienischlehrerin ist sehr zu frieden mit ihr… und ich auch… eigentlich ganz einfach…

      • Chico

        Ihre Tochter kann sich glücklich schätzen einen Vater mit Weitblick zu haben,jede Person die mehrere Spachen beherrscht hat es leichter im Leben und jede erlernte Sprache, auch die Italienische, ist ein Kapital für das weitere Leben.
        Das verstehen leider sehr wenig Personen.

    • muli

      In bestimmten Landesteilen tun sich viele (deutschsprachige) Menschen heute schon schwer, sich halbwegs fehlerfrei auf deutsch auszudrücken. Immersionsunterricht würde m.E. dazu führen, dass man sich gewisser Fachbegriffe in der eigenen Sprache gar nicht mehr bedienen könnte.

    • Dana

      Was Sabina Kasslatter noch nicht zerstört hatte, macht jetzt der Student Achammer kaputt.

    • Kassandra

      @Verwunderlich
      Ihre Methode einfach mit den eigenen Kindern zuhause Italienisch zu sprechen ist genial, so ersparen wir uns alle die überflüssigen Italienischsstunden in der Schule. Diese Stunden könnten anderweitig genutzt werden und die Kinder lernen zuhause und dazu noch besser :-).

    • harald

      Diese sogenannte Umfrage war sehr tendenziös. Das Ergebnis wurde praktisch herbeigeführt.
      Verbesserung des Italienisch Unterrichts, Ja, aber bitte nicht mit Methoden welche die Deutschen Sprachkenntnisse verschlechtern. Wir beherrschen heute schon unzureichend Deutsch, wobei es wirtschaftlich und kulturell für uns die wichtigste Sprache ist.
      Wozu Immersionsunterricht führt kann man am Beispiel Aosta sehen. Dort ist man von der gewünschten Zweisprachigkeit zur Einsprachigkeit gelangt.
      Es gibt genügend Beispiele in Südtirol welche zwar beide Sprachen gut beherrschen, aber keine richtig. Das passiert in der Praxis durch die sogenannte Immersion!

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