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    Warten auf Grando

    Warten auf Grando

    Der Bestechungsskandal beim Wohnbauinstitut beschäftigt auch den Rechnungshof. Die dortige Staatsanwaltschaft fordert vom Ex-Beamten Peter Kritzinger 173.000 Euro. Doch der will nicht die alleinige Schuld übernehmen.

    von Thomas Vikoler

    Peter Kritzinger entschied sich im Jahre 2011 für einen gerichtlichen Vergleich. „Aus gesundheitlichen Gründen“, sagt sein Anwalt Giancarlo Massari. Stefano Grando, Kritzingers Chef beim Mieterservice des WoBi, entschied sich für ein langwieriges und teures Hauptverfahren, zu dem am kommenden Montag das Urteil ergehen soll.

    Dass Kritzinger sein Verfahren bereits vor vier Jahren abgeschlossen hat, führt nun dazu, dass er – vorerst – von der Staatsanwaltschaft am Rechnungshof allein für Imageschäden und Dienstausfälle beim WoBi verantwortlich gemacht wird. Die Forderung: 100.000 Euro wegen des Imageschadens des Instituts, 43.415 Euro wegen der Dienstausfälle, 30.000 Euro für die internen Kontrollen des WoBi infolge des Bestechungsskandals. Macht insgesamt: 173.415 Euro.

    Eine völlig überzogene Forderung, die zudem nicht allein seinem Mandanten aufgehalst werden dürfe, findet Kritzinger-Verteidiger Massari. Er stellte bei der Verhandlung am Donnerstag den Antrag, das Verfahren bis zum Abschluss des Prozesses gegen Grando zu unterbrechen. Mit guten Argumenten.

    Laut Gesetz darf die Staatsanwaltschaft am Rechnungshof gegen öffentliche Verwalter wegen eines (mutmaßlich) verursachten Imageschadens erst dann vorgehen, wenn ein erstinstanzlicher Schuldspruch vorliegt. Sollte Kritzinger zu einer Zahlung verurteilt werden, müsste er allein den ganzen Schaden übernehmen und gegebenenfalls später zivilrechtlich von Grando einfordern. „Da gibt es wenig Aussichten, denn Grando hat kein Immobilieneigentum“, weiß Massari.

    Also sei es besser, den Ausgang des Hauptverfahrens abzuwarten.

    Peter Kritzinger hatte 2011 einen Vergleich über 18 Monate Haft wegen Bestechung zugesimmt, er zahlte zudem 26.966 Euro Schadenersatz und 10.000 Euro an Kostenrückerstattung für die Abhörungen der Ermittler. Sein Verteidiger betonte gestern, dass seine Rolle im Korruptionsskandal eine sekundäre gewesen sei. Für die Vergabe von Arbeitsaufträgen an Handwerker sei sein Vorgesetzter Stefano Grando bzw. ein Komitee des Wohnbauinstituts zuständig gewesen. Kritzinger hingegen für die Umsetzung der Aufträge und den Kontakt mit den Beauftragten, so Massari. „30 Jahre lang war er für seine guten Arbeitsleistungen belobigt worden“.

    Für die Anklage war der inzwischen pensionierte Kritzinger, der drei Monate in U-Haft verbracht hat, „eine zentrale Figur in einem korrupten System“.

    Die rechtsprechende Sektion des Rechnungshofes wird in Kürze über den Antrag auf Unterbrechung des Verfahrens entscheiden.

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