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    Garantierter Stundenlohn

    Financial CrisisDie Regierung Renzi will offenbar den gesetzlichen Mindestlohn einführen. Wer nicht kollektivvertraglich abgesichert ist, soll pro Arbeitsstunde sieben Euro erhalten. Die Gewerkschaften sind jedoch nicht glücklich darüber.

    von Heinrich Schwarz

    In 22 der 28 EU-Staaten gibt es mittlerweile einen gesetzlichen Mindestlohn. Italien gehört nicht dazu. Nach langjährigen politischen Diskussionen hat zuletzt Deutschland den Mindestlohn eingeführt. Seit 1. Januar 2015 gilt dort: Jeder Arbeitnehmer muss pro Stunde mindestens 8,50 Euro brutto erhalten.

    Nun könnte auch Italien nachziehen. Wie der Corriere della Sera in seiner gestrigen Print-Ausgabe berichtete, sei die Summe noch nicht fix – aber: Die Entscheidung über die Einführung des Mindestlohnes sei gefallen. Die Regierung um Ministerpräsident Matteo Renzi soll – immer laut Corriere – in einigen Wochen die Details klären. Die Rede ist von 6,50 bis sieben Euro pro Stunde.

    Stefan perini

    Stefan Perini

    Der Mindestlohn soll in jenen Sektoren angewandt werden, die keinem nationalen Kollektivvertrag unterliegen. Abgezielt wird also auf die prekären Arbeitsverhältnisse, die in den letzten Jahren – auch in Südtirol – stark zugenommen haben und viele Menschen in die Armutsfalle treiben.

    Zur Klarstellung:

    Der Mindestlohn ist von den Begriffen Grundeinkommen oder Mindestsicherung abzugrenzen. Er bezieht sich nur auf jene Personen, die einer Arbeit nachgehen. Der Mindestlohn besagt: Ist ein Arbeitsverhältnis nicht durch einen Kollektivvertrag abgesichert, darf der Stundenlohn die gesetzliche Grenze nicht unterschreiten.

    Man möchte meinen, die Gewerkschaften zeigen sich höchst erfreut über die mögliche Einführung des Mindestlohnes. Doch dem ist nicht so.

    Alfred Ebner, Generalsekretär des Südtiroler AGB-CGIL, sagt: „Natürlich steht das Thema aufgrund der zahlreichen prekären Arbeitsverhältnisse, die nicht kollektivvertraglich abgedeckt sind, im Raum, aber ich würde eher eine Mindestsicherung vorziehen.“

    Alfred Ebner

    Alfred Ebner

    Er erläutert: „Der Mindestlohn wäre für uns ein Problem, denn er würde die Gewerkschaften auf kollektivvertraglicher Ebene schwächen. Die Unternehmerverbände könnten sich nämlich am Mindestlohn orientieren. Und solange man ihn einhält, wäre man rechtlich ja in Ordnung“, so Ebner.

    Neben der Mindestsicherung plädiert der Gewerkschafter für eine Abschaffung der prekären Arbeitsformen. „Dies wäre eigentlich der richtige Weg“, betont Alfred Ebner.

    Eine etwas andere Ansicht hat Stefan Perini, Direktor des Arbeitsförderungsinstitutes: „Heute gibt es immer mehr Arbeitsformen und –verträge, die nicht kollektivvertraglich abgesichert sind. Theoretisch könnte man einem Projektmitarbeiter somit nur fünf Euro pro Stunde zahlen.“ Es sei deshalb auch eine moralische Frage, einen Mindestlohn vorzugeben. Man würde sich damit auch den europäischen Standards anpassen.

    Perini befürchtet, dass sich die Lohnspirale ohne einen Mindestlohn nach unten bewegt, „wodurch immer mehr Menschen zu sozialen Problemfällen werden und von der öffentlichen Hand leben müssen.“ Die Kosten müsse dann der Steuerzahler tragen.

    Eine große Debatte zum Mindestlohn sieht der AFI-Direktor in den Ausnahmeregelungen. Was passiert mit Saisonarbeitern, Praktikanten und Lehrlingen? Zudem müsse man in Italien territorial differenzieren. „Ein ungefährer Nettolohn von 900 Euro kann in Kalabrien durchaus fair sein, in Südtirol aber nicht“, so Stefan Perini.

    Zuerst gilt es aber erst abzuwarten, ob die Regierung den Mindestlohn tatsächlich einführt. Denn vonseiten der Gewerkschaften zeichnet sich zäher Widerstand ab.

     

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    Kommentare (18)

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    • Puschtra

      Ich höre schon die ersten Obstbauern plärren.
      Einen Mindestlohn für ihre Osteuropäischen Sklaven wollen sie nur zahlen, wenn es dafür Beiträge vom Land gibt.

    • Armin

      7 euro brutto?wer soll davon leben können.da muss die regierung auch gratis wohncontainer bereitstellen dass di „sperduti“ darin leben dürfen.gscheiter Sozialfall werden statt sich ausbeuten zu lassen.fühlt sich besser an nichts zu tun und arm zu sein als arbeiten wie blöd und noch ärmer zu sein.Danke EU

    • Steff

      MINDESTLOHN & MAXIMALLOHN

      Gleichzeitig mit dem Mindestlohn bitte auch einen MAXIMALLOHN einführen!!!

      Wenn hier über 6,7 oder 8,- € diskutiert wird, dann doch wohl von Leuten, die selber Millionen verdienen – und sind diese Leute Millionen wert? N E I N !!!

      Niemand darf mehr als der Staatspräsident verdienen
      und niemand darf mehr als das 10fache dessen verdienen
      was der Geringstverdienenste erhält!!!

      Das wäre gerecht und das würde auch automatisch das Lohnniveau heben, glaube ich!

      Wenn die Putzfrau (ein wichtiger Beruf!) in einem Unternehmen ein paar Hundert Euro verdient, dann darf der Topmanager nur ein paar Tausender verdienen. Was glaubt ihr wie schnell der Topmanager den Lohn der Putzfrau anheben würde um selber mehr verdienen zu dürfen!!!

      • phillo

        @ Steff

        Das sind populistische Wunschvorstellungen, die niemals umzusetzen sind.
        Da würde nämlich eine ganze Wirtschaft zusammenbrechen, wenn wir anfangen Maximum zu begrenzen.
        Ja lebst du auf dem Mond??

        • HORST

          @phillo

          Natürlich, wer mehr Verantwortung trägt bzw.. leistet hat Anspruch auf höhere Löhne, das ist klar. Aber immer ausgewogen/gerecht auf sein Umfeld abgestimmt. Es kann wirklich nicht sein, dass Löhne teilweise sprunghaft ansteigen obwohl die Leistung in keinem Verhältnis steht.

        • Andreas

          @phillo
          So abwegig ist die Deckelung der Managergehälter nicht, in der Schweiz gab es ein Referendum dazu.
          Der von Steff genannte Wert, das 10fache, ist aber wirklich etwas weit hergeholt, dieser Wert wäre um einige höher.

        • Steff

          Wieso bitte bricht die Wirtschaft zusammen,

          wenn ein „Geldschwein“ im Jahr nur mehr 250.000,- € verdient

          anstatt des armen Schweins das nur 25.000,- € im Jahr verdient?

          multipliziert mit 40 Arbeitsjahren sind das immerhin 10 Mio € im Leben!!!

          Wieso bitte bricht die Wirtschaft zusammen, wenn ein „Geldschwein“ nur rmehr 10 Mio € verdient? Und bitte erklär‘ das mal den ganzen armen Schweinen!

          So das war jetzt populistisch; auf die Antwort bin ich gespannt.

      • HORST

        Interessanter Beitrag Steff ABER ein Maximallohn trifft nur diejenigen die in einem Lohnverhältniss sind und die wirklich reichen sind in keinem Lohnverhältnis, deshalb bedarf es hier z.B. einer verbesserten Vermögensbesteuerung. ARBEIT und LEISTUNG darf und soll nicht hoch besteuert werden denn diese nutzten meist der Allgemeinheit. Ist sicherlich ein schwieriges Thema da solche Regelungen sicher immer im Globalen Kontext betrachtet werden müssen..

        http://www.oxfam.de/files/20141029-10-schritte-gegen-soziale-ungleichheit.pdf

        http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/superreiche-sollen-hoeher-besteuert-werden–99155153.html

        • Steff

          Niemand braucht ein Vermögen von z.B. mehr als zehn Millionen €uro

          Und kein Unternehmen sollte einen Umsatz oder eine Bilanzsumme von z.B. mehr als einer Milliarde €uro haben.

          Damit würde die Macht vieler Reicher und die Lobbyarbeit vieler Unternehmen gebrochen!

          Und nichts anderes passiert, wenn Leute / Unternehmen zu viel Geld haben:

          S I E M A N I P U L I E R E N

          (nicht zu verwechseln mit manu puliti – kommt aber auch von zu viel Geld haben 🙂 )

          • Andreas

            Wer was braucht entscheidest nicht Du und auch nicht wir hier im Forum, Deine Grenzen sind zu willkürlich und auch unsinnig.
            Wie soll z.B. ein Automobilunternehmen ein neues Produkt entwickeln, dessen Entwicklung 5 Milliarden kostet, wenn sie nur eine Milliarde Umsatz machen dürfen?

            Dass einige Einschränkungen notwendig sind, gebe ich Dir recht, doch so wie Du es bringst macht es nicht mal Sinn darüber zu diskutieren.

      • blb

        Bitte unternehmen gründen und umsetzen. Ist ja ganz einfach….

    • Wahrheit

      An @Puschtra: Einfach nur hetzerische Kommentare abgeben bezeugt einen Neidvollen und kleinkarierten Charakter.
      Erntehelfer sind Kollektivvertraglich geregelt, der Stundenlohn beträgt mehr als 7 Euro egal ob aus Osteuropa oder Südtirol, gilt für alle Arbeiter gleich, wichtig ist nämlich der Ort des Arbeitsplatzes und nicht die Herkunft des Arbeiters.
      Beiträge gibt’s im Obstbau so gut wie gar keine, dafür aber immer mehr Vorschriften welche von überteuerten Kontrolleuren überprüft werden, eine „tolle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ welche mit dem Erlös von Lebensmitteln finanziert werden muss.

    • guy fawkes

      Habe ich das jetzt richtig verstanden: die Gewerkschaften (bzw zumindest Ebner/AGB-CGIL) sind nicht unbedingt für die Einführung eines Mindestlohnes „denn er würde die Gewerkschaften auf kollektivvertraglicher Ebene schwächen“.

      Eine UNGEHEUERLICHE AUSSAGE – fast schon menschenverachtend gegenüber all jenen die sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden und denen der Mindestlohn enorm helfen könnte.
      Ich fühle mich jedenfalls in meiner Meinung bestätigt, dass sich die Gewerkschaften mehr um sich selbst (als Institution und persönlich) kümmern als um die Interessen der Arbeitnehmer.

    • gaga

      Ollo kriegen Lohn fuer 1 stund bloed schaugn

    • Conny

      Unglaublich, wenn Gewerkschaften gegen den Mindestlohn (Stundensatz) sind.Der ist sofort einzuführen, denn heute arbeiten bei uns Leute mit 3 bis 5 Euro pro Stunde und dies leider nicht nur in der Privatwirtschaft sondern häufig bei öffentlichen bzw. halböffentlichen Institutionen oder ausgelagerten Dienstleistungsunternehmen. Möchte hier keine Namen nennen. Auch die prekären Arbeitsverhältnisse sind vor allem bei landeseigenen Arbeitsplätzen zu finden. Deshalb empfehle ich einigen Politikern und Gewerkschaftern nicht Wasser zu predigen und dann Wein zu trinken.

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