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Der Banken-Flirt

nicolussi leck brandstätterBeteiligen sich Raiffeisen und Volksbank an der Südtiroler Sparkasse? Die Gespräche laufen – Varianten werden geprüft. Die TAGESZEITUNG hat einen Bankexperten im Hintergrundgespräch gefragt, ob dies eine gute Idee ist.

von Heinrich Schwarz

Der Raiffeisenverband und die Südtiroler Volksbank machen kein Geheimnis daraus, dass sie Gespräche mit der Südtiroler Sparkasse führen. Es geht um eine Teilnahme an der anstehenden Kapitalerhöhung der Sparkasse.

Der Hintergrund:

Die Sparkasse braucht nach umfangreichen Rückstellungen aufgrund notleidender Kredite und Verlusten von rund 190 Millionen Euro innerhalb zweier Geschäftsjahre dringend frisches Geld. Nachdem die Banca d’Italia in den letzten Monaten umfangreiche Inspektionen in der Sparkasse durchgeführt hat, ist eine Kapitalerhöhung von 230 bis 250 Millionen Euro nötig.

Das Problem: Der Andrang auf neu ausgegebene Aktien ist nicht sonderlich groß. Um die Bank nicht im Stich zu lassen, hat die Stiftung Sparkasse bereits angekündigt, ihre Mehrheitsbeteiligung von 66 Prozent halten zu wollen. Doch wer soll das restliche Drittel – immerhin rund 80 Millionen Euro – übernehmen?

Wenn die Sparkasse in einem größeren Ausmaß als bisher auf ausländische oder italienische Investoren – etwa Großbanken – zurückgreift, besteht die Gefahr, dass diese irgendwann die Überhand gewinnen. Das will man vermeiden.

Nun kommen der Raiffeisenverband und die Südtiroler Volksbank ins Spiel. Sie sollen die Sparkasse unterstützen, das Geldhaus in Südtiroler Hand zu behalten. Sogar Landeshauptmann Arno Kompatscher hat sich eingeklinkt: Ausländische Banken dürften ihren Fuß nicht zu stark in die Tür setzen. Das derzeitige, unabhängige Bankensystem in Südtirol müsse erhalten bleiben. Kompatscher hat Gespräche mit den drei Banken gesucht, um Lösungswege zu finden.

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes, bestätigte gestern: „Ja, es sind Gespräche im Gange. Derzeit werden verschiedene Varianten einer einheimischen Lösung geprüft.“ Noch sei aber keine definitive Entscheidung gefallen.

Ähnliches erfährt man aus der Volksbank: „Es ist uns ein Anliegen, dass das Südtiroler Bankensystem im Interesse unserer Kunden und Mitglieder stabil bleibt. Deshalb beteiligen wir uns an den Gesprächen und prüfen alle Lösungsvorschläge. Natürlich muss es mit unseren finanziellen Möglichkeiten kompatibel sein.“

Die TAGESZEITUNG hat einen Südtiroler Bankexperten im Hintergrundgespräch gefragt, wie eine gegenseitige Beteiligung der drei großen lokalen Banken zu bewerten ist. Könnten negative Auswirkungen auf das Bankensystem die Folge sein?

Der Experte erklärt einleitend: „Jede der drei Banken hat seine Eigenheiten. Für Südtirol war diese Buntheit des Marktes immer ein Gewinn. Der lokalen Wirtschaft hat es in Krisenzeiten geholfen, wenn bestimmte Entscheidungen von verschiedenen Banken mit Sitz in Südtirol getroffen wurden.“

„Inwieweit es sinnvoll ist, wenn sich Raiffeisen und Volksbank an der Sparkasse beteiligen“, so der erfahrene Bankfachmann, „muss gut geprüft werden. Als Unternehmen hat man die Verantwortung, auch einen Mehrwert zu schaffen.“ Es stelle sich dabei die Frage, ob man die Beteiligung langfristig hält, nach zehn Jahren wieder aussteigt oder die Bank irgendwann sogar kaufen will.

Der Experte sieht in einer Beteiligung Vorteile und Nachteile. Ein Vorteil: „Muss die Sparkasse eine italienische oder ausländische Großbank mit ins Boot holen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Sparkasse eingegliedert wird. Siehe Bank von Trient und Bozen. Es wäre für Südtirol schade, wenn eine Bank verloren ginge.“

Und ein eventueller Nachteil einer Beteiligung von Raiffeisen und Volksbank? „Wenn sie im Laufe der Zeit immer mehr Anteile an der Sparkasse kaufen würden, wäre dies problematisch. Befinden sich weniger Wettbewerber am Markt, ist das für die Kunden nachteilhaft. Und wenn es nur mehr eine oder zwei Bankengruppen gibt, entsteht unweigerlich Platz für Dritte, die von außerhalb kommen“, so der Bankexperte Die Vielfalt sei eine Stärke, die es zu erhalten gelte.

 

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