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    Schwarzarbeit in Südtirol

    Schwarzarbeit in Südtirol

    07-Schwarzarbeit2Der lvh empfiehlt Konsumenten, sich an rechtmäßig gemeldete Betriebe zu wenden. Schwarzarbeit habe gravierende Auswirkungen auf gesamte Wirtschaft.

    Auch in Südtirol wird immer wieder Schattenwirtschaft betrieben – und dies auf Kosten der „ehrlichen“ Handwerksunternehmer und Steuerzahler. Der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh) empfiehlt Konsumenten, sich an rechtmäßig gemeldete Betriebe zu wenden.
    Obwohl die grassierende Schwarzarbeit sowohl Bürgern, Unternehmern und dem ganzen Land schadet, wird dieses Thema oft verharmlost und gilt nicht selten als Kavaliersdelikt, so der lvh.

    „Manch einer zeigt sogar unverhohlenes Verständnis für Mitbürger, die ihr Einkommen durch nicht gemeldeten Nebenerwerb aufbessern – oder sogar ganz von diesem leben können. Die wenigsten bedenken dabei, dass die Schwarzarbeit gravierende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat. Während der eine Handwerksbetrieb nach getaner Arbeit die Miete zahlt, Steuern abführt und die Fürsorgebeiträge seiner Mitarbeiter überweist, stellt sich ein anderer Betrieb über das Gesetz und steckt den Lohn für seine Arbeit einfach bar in die Tasche“, erklärt lvh-Präsident Gert Lanz.

    Unternehmen, die in der Schattenwirtschaft arbeiten, würden so auch die Einhaltung verschiedener Rechtsvorschriften wie beispielsweise im Zusammenhang mit Verbraucherschutz, Arbeitsverhältnissen und Umwelt umgehen.

    Giorgio Bergamo, Martin Haller und Gert Lanz

    Giorgio Bergamo, Martin Haller und Gert Lanz

    Eine weitere negative Folge seidie Wettbewerbsverzerrung zwischen konkurrierenden Unternehmen. Da der Schwarzarbeiter natürlich keine Steuern entrichtet, biete er seine Dienstleistung zum „Nettopreis“ an – und stelle sich in unlautere Konkurrenz zu einem angemeldeten Gewerbe, das die Mehrwertsteuer und andere Abgaben selbstverständlich zahlen muss. „Ein ehrlicher Handwerksbetrieb kurbelt die Wirtschaft an, er schafft Arbeitsplätze und Lehrstellen und trägt dazu bei, dass der Finanzbedarf der Allgemeinheit auch weiterhin gedeckt wird. Wenn der Markt aber durch die Schwarzarbeit irritiert wird, sind Betriebe nicht mehr bereit, die Ausbildung von jungen Menschen zu übernehmen bzw. sie können sie aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht mehr ausbilden“, unterstreicht auch lvh-Vizepräsident Martin Haller.

    Was die Schwarzarbeit im Handwerk betrifft, scheint diese nahezu in allen Sparten vertreten zu sein, vom gebeutelten Baugewerbe über die Schönheitspflege bis zu den Installationsunternehmen und Friseurbetrieben.

    Laut Südtiroler Handwerksordnung droht demjenigen, der ein Handwerk ausübt, ohne im Handelsregister eingetragen zu sein, eine verwaltungsrechtliche Geldbuße von € 2.500,00 bis € 15.000,00.

    Wenn der Schwarzarbeiter bei den zuständigen Behörden angibt, kein Einkommen zu beziehen, und daraufhin eine soziale Unterstützung erhält, kann aufgrund des nicht deklarierten Einkommens aus der illegalen Tätigkeit außerdem ein Leistungsbetrug vorliegen, der ebenfalls sanktioniert werden kann. Relevant ist außerdem der Tatbestand der Steuerhinterziehung: da die Dienstleistung gegen Bares erfolgt und keine Quittung ausgestellt wird, werden die Einnahmen natürlich nicht versteuert. Wenn die Steuerhinterziehung gerichtlich festgestellt wird, drohen Geld- und Haftstrafen.

    Der Stein kommt ins Rollen, wenn diejenigen Ämter und Behörden, die mit der Aufsicht des Handwerks betraut sind, Kontrollen durchführen. Zu diesem Zweck sind z.B. die Beamten der Handelskammer, der Gemeinden und der Landesabteilung Handwerk, Industrie und Handel ermächtigt, erforderlichenfalls privates oder öffentliches Eigentum zu betreten. „Es sollte sich aber auch jeder Kunde solcher Schwarzarbeiter Gedanken über seine soziale Verantwortung und die Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftskreislauf machen“, erklärt der italienische Vizepräsident Giorgio Bergamo.

    Von daher die Empfehlung des lvh: nicht die Schattenwirtschaft unterstützen, sondern sich an Betriebe zu wenden, die ihr Gewerbe rechtmäßig angemeldet haben.

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    Kommentare (17)

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    • Vingscher

      Leider ist Steuerhinterziehung in Südtirol bereits Usus, Handwerksbetriebe fragen teilweise sogar nach ob man denn wirklich eine Rechnung bräuchte. Aber zum Glück sind es ja nicht wir die Steuerhinterziehen, sondern die in Italien unten.

    • Mark P.

      „Der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh) empfiehlt Konsumenten, sich an rechtmäßig gemeldete Betriebe zu wenden.“

      ??? Ziemlich naiv lieber LVH. Auch rechtmäßig gemeldete Betriebe von denen durchaus auch Mitglieder des LVH’s stellen bei der einen oder anderen Arbeit keine Zettel aus. Also… ist nicht die Frage zu stellen „wer“ so handelt, sondern „warum“ weiterhin so gehandelt wird.

      • Andreas

        Warum ist recht einfach zu erklären.

        Als Privater mit einer Rechnung von € 5.000,00 + MwSzt. zahlst € 6.100,00 und außer dir die Rechunung zuhause einrahmen, kannst nicht viel damit machen.
        Wenn ohne zahlst handelst noch etwas und kommst auf ca. € 4.500,00.
        Du kannst Dir zwar nichts einrahmen, aber mit den € 1.600,00 kompensierst dieses Übel locker.

        Wenn es sich um reine Arbeitsleistung handelt, hat auch der „Handwerker“ eine beachtliche Summe gespart.

        • Mark P.

          Einspruch Herr Oberbilanzbuchhalter 🙂

          1. Wenn ich eine Rechnung habe, dann habe ich – oder dürfte ich haben, wer am Ende Recht bekommt ist eine andere Sache – zumindest ein Gewährleistungsrecht. Und wenn ich das Gefühl habe, die Arbeit ist nicht so verlaufen wie geplant, dann kann ich mich beim Handwerker beschweren. Sollte das nicht fruchten, dann kann ich zum Anwalt gehen usw…
          Habe ich keinen Zettel, bin ich immer auf Kulanz des Handwerkers angewiesen.

          2. Ich habe sicherlich nicht deinen Erfahrungsschatz und muß zugeben, da oben zwischen den Ohren hast du eine schnellere Auffassungsvermögen. Aber daß ein Endverbraucher lieber weniger zahlt ist mir auch klar. So naiv – oder um es mit den Worten unseres geschätzten Herrn ParagraphenLinkFranz zu bezeichnen – bzw. dumm bin ich auch nicht.

          3. Deine Rechnung ist korrekt. Aber vielfach bietet der Handwerker die Kalkulation netto nur ohne MwSt. an. Viele Kunden meinen jetzt ein Schnäppchen gemacht zu haben. Vergessen aber zu kalkulieren, daß man mittels „Schwarz“ auch vom netto noch paar Prozente abzwecken kann.

          4. Zu Punkt 2, da dies klar ist: NEIN, ich habe nicht nach dieser offensichtlichen Antwort gefragt. Ich wollte tiefer gehen, wissen warum Handwerker das Risiko eingehen (Arbeit hinterlässt Spuren, die von den Finanzern aufgedeckt werden kann, vielleicht liegen irgendwo noch Fresszettel herum, Telefone kann man abhören…) erwischt zu werden. Das Spiel: willst weniger zahlen, kriegst halt kein Beleg ist mir zu einfach.

          🙂

          • Andreas

            1) Das stimmt
            3) bei hohen Fremdkosten und geringer Eigenleistung kann auch der „Handwerker“ nicht große Abschläge machen, da er die Fremdkosten abschreiben kann
            2+4) Frag mal einen, ich bin kein Handwerker 🙂

    • blb

      Gebe euch recht, auch gemeldete firmen werden einiges schwarz kassieren. Aber es braucht immer zwei. Und es wird auch so sein, dass der eine oder andere auftraggeber froh ist, keine mwst zu bezahlen. Denn würden alle eine rechnung verlangen, wäre das problem auch nicht da.

    • Andreas

      „… angemeldeten Gewerbe, das die Mehrwertsteuer und andere Abgaben selbstverständlich zahlen muss.“

      Dies ist schon mal falsch, da i.d.R. Betriebe keine MwSt. zahlen.

      Der LVH wendet sich hier an die Endkunden um vor Einzelpersonen, welche sich ein paar Euro dazuverdienen wollen, zu warnen, ignoriert aber scheinbar, dass auch bei ihren Mitgliedern sicher nicht alles Heilige sind.

    • michl

      Die größten Schwarzzahler sind die Gaststätten.
      Die Bauern sind anscheinend immer in Ordnung,brauchen auch keine Rechnungen auszustellen solange sie Hofprodukte verkaufen.
      Aber wer macht das auf den Hütten die den Käse,Speck usw. im Markt kaufen ?
      Da werden auch mal die Augen zugedrückt.Meine Erfahrung.

      • Gastwirt

        Warum soll ich schwarz zahlen, wenn ich die MwSt. abschreiben kann und die Reparatur als Spesen verbuchen kann?
        Für einen Betrieb ist die Rechnung kein Problem. Der Endverbraucher kommt um die MwSt. nicht herum.
        Es sind also nicht immer nur die Gastwirte.

    • PROF:

      Andreas hat es auf den Punkt gebracht,warum soll ich 22% Mwst. zahlen wenn es auch ohne Rechnung geht und der Handwerker mir noch zusätzlich einen Skonto gewährt. Man müsste bei der Steuererklärung wie bei Arztrechnungen(19%) auch die Mwst. von Rechnungen abziehen können.

      • Vingscher

        Die Antwort darauf ist einfach: Du nimmst Leistungen in Anspruch die wir mit unseren Geldern finanzieren.

        Ich finde wir sollten uns selber wieder mehr Staatsverständnis beibringen. Versucht doch einfach mal einen für euch selbst einen Grund zu finden warum wir Steuern zahlen sollen.

        Wie ich es mir selber erkläre: Wir legen Gelder zusammen mit denen wir uns gemeinsam etwas leisten können.
        Im Prinzip sehe ich uns als eine grosse Wohngemeinschaft, welche Gelder zusammenlegt damit sie sich einen neuen Fernseher zulelgen kann.

        • Andreas

          Wenn man die Steuerverschwendungen des Italienischen Staates sieht und wie sich einige wenige daran bereichern, fällt es schwer die Ideologie aufzubringen, weiter Geld in dem Fass ohne Boden zu versenken.

          Bei dem von mir genannten Beispiel spart man ein Monatsgehalt. Ich würde jeden Normalverdiener verstehen der so handelt.

          @Prof.
          Wenn Private die MwSt. abziehen könnten, zahlt die niemand mehr, ist auch keine Lösung.

          • goggi

            Mir reicht schon die Steuerverschwendung in Südtirol,dass einem die Lust vergeht Steuern zu zahlen.
            Leider wird nur Steuerhinterziehung bestraft.
            Steuerverschwendung hingegen ist legal.
            Das ist eben die Ungerechtigkeit.

          • Vingscher

            @Andreas
            Steuerverschwendung hat mit der Idee des Erhebens der Steuern nichts zu tun.

            Steuerverschwendung ist ein von Politikern verursachtes Problem. Da wir aber in einem demokratischen System die Personen, welche unser Geld verwalten, selber wählen, dürften wir uns eigentlich nicht beklagen.

            Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass Steuern lokal, also auf Gemeindeebene, variieren und erhoben werden sollten. Ein Teil dieser Steuern sollte an obere Ebenen (Provinz, Region, Staat) abgegeben werden, der Löwenanteil jedoch auf Gemeindeebene bleiben. Aber dies ist, wie wir alle wissen, nicht der Fall. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, keine Steuern zu bezahlen, nur weil ich das aktuelle System als nicht ideal empfinde.

            • Andreas

              Es sei dahingestellt aus welchen Gründen es jemand macht, die Schattenwirtschaft existiert und wird genutzt.
              Wie sonst kann es sein, dass die meisten Zahnärzte schon beim ersten Besuch fragen ob man eine Rechnung will oder nicht und dies nie geahndet wird.

              Die Löhne sind relativ niedrig und die Lebenshaltungskosten relativ hoch. Kann man von jemanden der kaum ans Monatsende kommt Dein solidarisches Denken erwarten bzw. verlangen?

              Ich bin für die Abschaffung des Bargeldes, so kann jeder Geldfluß nachvollzogen werden und illegaler Handel oder Schwarzarbeit wird extrem erschwert.

    • Josef

      @Andreas
      Die Abschaffung des Bargeldes würde zu einem vollständigen Überwachungsstaat führen.

      Es wurde wiederholt festgestellt, dass Bargeld nicht die Ursache für die Mehrzahl der Steuerdelikte ist.
      Dies scheint nur aus Sicht des einfachen Angestellten zu sein. Es täuscht aber.
      Überlegt mal wieso in England oder anderen nordischen Staaten die Leute freiwillig die Steuern zahlen.
      Die Idee mit brutalen Strafen etwas durchzusetzen, klappt selten.
      Die übermäßige Bürokratie mit dem Ziel alles zu kontrollieren vertreibt, letztlich die Wirtschaft.

      • Andreas

        1) Auch momentan kann über jeden ein Bewegungsprofil erstellt werden und ob dann zusätzlich jemand weiß wo ich meine Semmel kaufe, macht jetzt nicht den großen Unterschied. Der Einkauf verlagert sich sowieso immer mehr ins Netz und dort ist Überwachung Standard.

        2) Ich kenne nicht die Steuermoral der Nordländer. Die Deutschen haben es aber auch nicht sonderlich mit der Steuer, wie die gekaufen Steuer CDs ja zeigen. Die Schattenwirtschaft existiert auch dort.

        3) Warum sollte ein Unternehmer oder ein Angestellter eine unterschiedliche Sicht haben? Als Unternehmer benötig man eigentlich kein Bargeld.

        4) Strafen bringen wenig, sehe ich auch so, es ist sinnvoller die Möglichkeiten der Schattenwirtschaft auf ein Minimum zu reduzieren.

        5) Ohne Bargeld wird es schwierig einen Handwerker schwarz zu zahlen, also kann das Geld nur überwiesen werden und dies ist nachvollziehbar.

        6) Was hat Bargeldabschaffung mit übermäßiger Bürokratie zu tun?

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