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Verbotene Postings

facebook eintrag einbruchEr wollte andere Menschen auf Facebook vor einer mutmaßlichen Einbrecherin warnen. Jetzt fürchtet Stefan A. eine Anzeige wegen Verleumdung – und die Rache des Sohnes der verdächtigen Frau.

von Lisi Lang

Seit Monaten ist man in Südtirol aufmerksamer auf fremde Personen in der Nachbarschaft als früher: Grund sind die vielen Einbrüche in den letzten Monaten. Viele Südtiroler haben bei einem Einbruch oder versuchten Einbruch auch Fotos von Kennzeichen oder den Personen selbst online gestellt um andere Menschen zu warnen. Ein verbotenes Unterfangen, wie Stefan A.* am eigenen Leib erfahren musste:

Stefan A.* aus Nals hat das Foto einer mutmaßlichen Einbrecherin, die sein Vater den Carabinieri übergeben hat, online gestellt – bereut diesen Vorgang jetzt aber.

Der Grund: Er könnte wegen Verleumdung angezeigt werden, außerdem droht ihm der Sohn der verdächtigen Frau mit Rache.

Vor etwa drei Wochen wurde bei Stefan A. eingebrochen und Bargeld im Wert von 700 Euro entwendet, die Tageseinnahmen seines Vaters. Einige Wochen später bemerkte Stefan A.’s Vater eine Frau, die mit einem schwarzen BWM im Hof vorfuhr. „Erst dachte sich mein Vater nicht viel dabei, da es auch ein Vertreter sein könnte“, so Stefan A.

Aber die Frau war nicht auf der Suche nach Stefan A.’s Vater, da dieser – auch nachdem er auf sich aufmerksam gemacht hat – nicht von der Frau aufgesucht wurde.

Als er sich auf die Suche machte, bemerkte er die Frau in der Nähe des Wohnhauses und bemerkte, wie sie dieses auskundschaftete. Als er sie darauf ansprach, sagte die Frau nur, dass sie die Klingel der Wohnung suche.

„Mein Vater hat natürlich die Carabinieri verständigt und die Frau bis zu deren Eintreffen festgehalten“, so Stefan A. Die Frau habe sich nicht gewehrt und mit dem Vater auf die Carabinieri gewartet. Die Frau war den Beamten bereits bekannt, „auch im Zusammenhang mit Einbrüchen“, erklärt Stefan A. Aber da die Frau nicht eingebrochen war, wurde sie von den Beamten nicht verhaftet.

Nachdem die Informationen aufgenommen waren, verließ die Frau das Grundstück in ihrem Wagen und rief dem Vater aus dem Fenster hinterher: „scusatemi“.

Als Stefan A. von diesem zweiten Einbruchsversuch erfuhr, postete er das Foto der Frau auf Facebook. Über 900 Mal wurde das Foto von anderen Menschen geteilt, die ebenfalls schon in anderen Gebieten Südtirols auf die Frau aufmerksam wurden und sie gesehen hatten.

Wenige Tage später erhielt Stefan A. eine Drohung via Facebook-Messenger vom Sohn der mutmaßlichen Einbrecherin: „Er drohte mir und verlangte, dass ich das Foto sofort entferne, weil er mich sonst anzeigt“, sagt Stefan A. Der Wortlaut der Nachricht an Stefan A.: „Aspetta che ti becco on giro. Cancella subito la foto di mia mamma che hai messo oppure io vengo la e chiariamo megli – e ti dennuncio io a io a te.“

„Im ersten Moment wusste ich nicht, wie ich reagieren soll“, so Stefan A., der die Carabinieri daraufhin um Rat fragte. Die Antwort erfolgte klar: „Indem ich das Foto dieser Frau online gestellt habe, mache ich mich wegen Verleumdung strafbar, erklärten mir die Carabinieri“, sagt Stefan A. der das Foto mittlerweile wieder aus dem Netz gelöscht hat.

Auch Quästor Lucio Carluccio bestätigte vor kurzem die Tatsache, dass man sich mit dem Post eines Fotos strafbar machen könnte. „Sollte etwa die abgebildete und damit verdächtige Person Anzeige erstatten, könnte sich der Verfasser des Posts in große Schwierigkeiten begeben – auch, wenn das Foto nur einer begrenzten Anzahl von Personen zugänglich gemacht wurde“, erklärt der Quästor.

Wenn Stefan A. über diesen Verstoß Bescheid gewusst hätte, wäre er nie so fahrlässig gewesen und hätte das Bild gepostet. Er habe mit Sicherheit keine Absicht gehabt, Fremdenfeindlichkeit und Hass zu schüren oder die Frau für etwas zu beschuldigen, was sie nicht getan hat, beteuert Stefan A. „Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht rassistisch bin. Ich wollte nur andere Menschen vor dieser mutmaßlichen Einbrecherin warnen, damit anderen nicht dasselbe passiert, wie uns“, so Stefan A.

Jetzt im Nachhinein bedauert er den Post des Fotos, auch wenn er eigentlich nur helfen wollte. „Es war ein Fehler, dieses Bild zu posten und in Anbetracht dessen, was mir jetzt blühen könnte, bereue ich es sehr, das Foto gepostet zu haben“, sagt Stefan A.

Jetzt muss er eine Anzeige wegen Verleumdung fürchten und zudem die Rache des Sohnes der verdächtigen Frau, der ihm bereits angedroht hat, die Sache auch anders zu klären.

Über 300 Personen haben Stefan A. über Nachrichten ihre Solidarität bekundet und auf ein Zusammenhalten im Falle einer Anzeige hingewiesen. „Wenn es zu einem Prozess kommt, hätte ich diesen schon verloren“, sagt Stefan A. und erklärt noch einmal, wie sehr er diesen Post, jetzt im Nachhinein, bedauert.

* Name von der Redaktion geändert

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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