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    Die Taube

    Heute zwei Worte über den Kino-Hype „Fifty Shades of Grey“. Meine Empfehlung gilt aber „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“.

    von Renate Mumelter

    Rai Südtirol vermeldet Umsatzsteigerungen für Beate Uhse, auch in Bozen. Auslöser ist angeblich der Film „Fifty Shades of Grey“. Sadomaso ist angesagt. Im Film selbst ist davon wenig zu sehen. Die Romanvorlagen sind expliziter. Ich habe sie in der Bibliothek ausgeliehen, kostenlos gelesen und damit dem Marketinghype zu Buch und Film ein Schnippchen geschlagen. Die Story: Junge Frau trifft schönen Ultrareichen mit Hang zu S/M. Der Liebe wegen macht sie bei diesen Spielen mit. Ganz nach dem Motto. geschlagen werden ist schön, ist sie maso, er sado. Und weil sie Gefallen an S/M findet, wird sie geheiratet. Eine deutliche Botschaft, auch die Machtverhältnisse sind klar.

    Deshalb werbe ich lieber für Roy Andersons Film, der sich den Titel von Tauben auf einem Bruegel-Bild holt. Er fasziniert durch seine Bilder. Vier Jahre hat Anderson an dem Venedig-Preisträger (2014) gearbeitet. „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ ist Teil drei der „Trilogie über das menschliche Wesen“. Am Anfang stehen drei Begegnungen mit dem Tod, bei denen auch Grinsen erlaubt ist. Für den roten  Faden sorgen dann zwei Brüder, Sam und Jonathan, die als Vertreter in umwerfender Tristesse drei Scherzartikel anbieten, Vampirzähne, Lachsack, Maske. Erfolglos natürlich. Während ihrer Besuche bei der Menschheit treffen sie auf kuriose Zeitgenossen, alle irgendwie liebenswert. Der Reigen dreht sich, die Zeitebenen verschwimmen und in der zweiten Filmhälfte nimmt der Schwung ab und die Grausamkeit zu, eine Grausamkeit, die trifft. Eigenwillig  schöne Bilder, gelungene Musik, absurder Humor und Sprachwitz begleiten die Begegnungen. „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ ist formal und ästhetisch ein Film zum Genießen, inhaltlich kann er an die Substanz gehen.

    Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (SE/DE/NO/FR 2014, 101 Min.), Regie: Roy Anderson. Bewertung: Sehr besonders, sehenswert 

    Sehen Sie sich den TRAILER an.

    Was es sonst noch gibt:
    Regisseur zu Gast: Günther Haller im Filmtreff Kaltern am 26. Februar

     

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    Kommentare (3)

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    • Ingold

      Ich habe den Film bereits gesehen, aber ich möchte ihn unbedingt noch einmal sehen. Was in der Besprechung fehlt: wann kommt er nach Bozen, in deutscher Sprache?
      Einzelne Szenen waren das Beste was ich je im Kino gesehen habe, vergleichbar höchstens mit Orlando, der genauso poetisch ist. Ich denke besonders an die Küsse in der Kneipe, und an die Schönheit des schwedischen Königs, … ich mag nicht mehr sagen, denn jeder sollte es selber sehen und lieben (oder nicht ausstehen können). Es war mein erster Film von Anderson und ich ging ganz unbedarft ins Kino. Wunderschön die Farben, alles weiß-lich, die Schminke, die Farben, so ausgewaschen. Jedes Bild ein Ereignis.

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