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    Geplatzte Träume

    Geplatzte Träume

    Die Staatsanwaltschaft Bozen stellt die Ermittlungen gegen die Inhaberin der Partnervermittlungsagentur und zwei Südtirolerinnen wegen Betrugs und Übervorteilung ein. Der Grund: Eine stattliche Schadensersatzzahlung an ein Dutzend „Opfer“.

    von Thomas Vikoler

    Die Vorgangsweise war immer die gleiche:

    Ein buntes Inserat mit einer schönen Frau im Tagblatt „Dolomiten“, die Kontaktaufnahme über eine der lokalen Mitarbeiterin der österreichischen Agentur Harmony Partners. Und dann die Zahlung von 3.100 Euro Gebühr durch die kontakt- bzw. heiratswilligen Männer.

    Dafür erhielten diese 20 Telefonnummern von angeblich ebenfalls kontakt- und heiratswilligen Frauen.

    Es stellte sich allerdings heraus, dass eine der auf dem Inserat dargestellten Frauen nichts von ihrem Glück wusste. Eine Frau aus Brünn in der Tschechischen Republik erkannte sich auf dem Inserat wieder und erstattete Anzeige gegen Harmony Partners. Ein eindeutiger Fall von Identitätsdiebstahl.

    Es folgten die Strafanzeigen von rund einem Dutzend Männern aus Südtirol, die sich von Harmony Partners betrogen fühlten: Sie beklagten, dass die versprochenen Kontakte entweder nicht zustande kamen und wenn, dann nie mit den schönen Frauen aus den Inseraten. Zu viel versprochen. Ein Mann aus Karneid berichtete in seiner Anzeige von einem Brief von Harmony Partners, in dem die Zahlung der Vermittlungsgebühr eingefordert wurde. Mit der Drohung, einen Anwalt einzuschalten. Andere Kunden gaben zu Protokoll, von den lokalen Mitarbeiterinnen der Agentur in Bezug auf die Zahlungen unter Druck gesetzt worden zu sein. Obwohl klar war, dass die versprochene Dienstleistung nicht erbracht worden war.

    Ende 2013 schloss der Bozner Staatsanwalt Axel Bisignano formell die Ermittlungen gegen Gracia Patrizia Gyöngi, 49, die in Vösendorf bei Wien lebende ungarische Inhaberin von Harmony Parnters, und ihre lokalen Vermittlerinnen Erika Leimegger, 39, aus Tiers und Waltraud Ellecosta, 52, aus St. Lorenzen ab.

    Die Vorwürfe: Betrug, Übervorteilung wehrloser Personen (drei der mutmaßlichen Opfer sind geistig minderbemittelt) und Verletzung von Bestimmungen zu Datenschutz. Letzteres Delikt sieht der Staatsanwalt gleich zweifach erfüllt: Durch die Beschaffung und Aufbewahrung von persönlichen Kunden-Daten und die Angelegenheit mit dem Foto der unwissenden Frau aus Brünn.

    Doch nun hat Staatsanwalt Axel Bisignano formell die Einstellung des Strafverfahrens gegen die drei Partnervermittlerinnen beantragt.

    Der simple Grund: Gracia Patriza Gyoengi, die Agentur-Chefin, hat allen mutmaßlichen Opfern Schadensersatz gezahlt und sie haben im Gegensatz ihre Strafanzeigen zurückgezogen.

    Wie viel Geld am Ende geflossen ist, bleibt ein Geheimnis.

    Es dürfte sich um keine hohen Summen handeln (in den meisten Fällen die Rückzahlung der 3.100 Euro), insgesamt dürfte Gyoengi der Freikauf aus dem Strafverfahren eine stattliche Summe gekostet haben.

    Staatsanwalt Axel Bisignano verzichtete im Gegenzug auf die Vorhaltung der Übervorteilung einer wehrlosen Person in drei Fällen, die laut Gesetz auch von Amts wegen verfolgt werden müsste.

     

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