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    Erleichterte Freier

    Bildschirmfoto 2015-01-30 um 10.18.05Der Betreiber des Bozner Massagesalons „Il Giglio“ erhält zwei Jahre und sechs Monate Haft. Warum die Kunden erleichtert sind.

    (tom) Xang Young Sun, 42, genießt die Freiheit. Seit vergangenem Samstag ist der chinesische Unternehmer aus Bozen auf freiem Fuß – nach zwei Wochen U-Haft im Bozner Gefängnis (die TAGESZEITUNG berichtete).

    In den nächsten Tagen wird der Anwalt Nicola Nettis für Sun vor Voruntersuchungsrichter Emilio Schönsberg abschließen.

    Wegen Betriebs eines Bordells, was nach Absatz 6 des berüchtigten Merlin-Gesetzes aus dem Jahr 1958 verboten ist. Strafrahmen: Sechs bis zwölf Jahre.

    Das Strafmaß für den Massagesalon-Betreiber wird dagegen vergleichsweise mild ausfallen: Zwei Jahre und sechs Monate Haft. Staatsanwältin Donatella Marchesini hat zu dieser Strafzumessung bereits ihre Zustimmung erteilt. Sun erhält, weil nicht vorbestraft, allgemein mildernde Umstände, welche gegenüber den erschwerenden – darunter die Beschäftigung von mehr als zehn Masseusen/Prostituierten im Salon – überwiegen. Richter Schönsberg dürfte sich kaum querstellen.

    Ist der Vergleich einmal geschlossen, wäre dies die erste Anwendung von Absatz 6 des Merlin-Gesetzes seit Jahrzehnten in Südtirol. In allen anderen Fällen, in denen Nachtclubs oder Massagesalons als Bordelle zweckentfremdet wurden – wurden die Tatbestände der Begünstigung der Prostitution bzw. Zuhälterei beanstandet.

    Mit dem Vergleich mit dem Betreiber des „Giglio“ erspart sich die Justiz zudem einen aufwändigen Strafprozess.

    Die Polizei hat nicht weniger als 180 Kunden des Salons gefilmt bzw. identifiziert, die vor Gericht bezeugen müssten, dass in dem Salon nicht allein massiert wurde.

    Bei Anwalt Nettis haben sich in den letzten Tagen bereits einige der Identifizierten gemeldet und sich über die Aussichten auf eine Zeugenaussage informiert. Der Sun-Verteidiger konnte sie beruhigen.

    Und was passiert mit der 38-jährige Ehefrau des „Giglio“-Betreibers, die im Betrieb mitarbeitete und gegen die ebenfalls Ende Jänner ein Haftbefehl erlassen wurde? Sie hielt sich aber in China auf und wird voraussichtlich ebenfalls einen Vergleich abschließen.

    Ihr Mann äußerte gegenüber seinem Anwalt die Absicht, in Italien bleiben und sich hin Hinkunft legalen Geschäften auf dem Gebiet der Körperpflege widmen zu wollen.

     

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