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    Die Akten aus Padua

    Die Akten aus Padua

    Gottlieb Taschler verteidigt sich erneut vor den Doping-Verdächtigungen und fordert, dass die Staatsanwaltschaft „bald Klarheit schafft“. Staatsanwalt Giancarlo Bramante wird in zwei Wochen über die Einleitung von Ermittlungsverfahren (auch gegen andere Personen) entscheiden.

    Von Thomas Vikoler

    Die Antholzer Weltcup-Woche ist derzeit weniger vom Sport bestimmt als von einem Thema: Die Doping-Verdächtigungen gegen OK-Chef Gottlieb Taschler und seinen Sohn Daniel. Gottlieb Taschler gab am Freitag dem ZDF, der die TV-Bilder der Wettkämpfe produziert, ein achtminütiges Interview, in dem er sich über seine ungewisse strafrechtliche Position beklagte: „Wir wissen nicht, was gegen uns konkret vorliegt. Wir brauchen Tatsachen und nicht Vermutungen. Es soll möglichst bald Klarheit geschaffen werden“.

    Tatsächlich ist die Situation verworren: Weder Oberstaatsanwalt Guido Rispoli noch der zuständige Staatsanwalt Giancarlo Bramante wollen derzeit etwas sagen. Der Besuch von Anwalt Flavio Moccia mit Staatsanwalt Bramante ergab auch nichts Neues.

    Laut Moccia gibt es derzeit in Bozen keine formelle Ermittlung – weder gegen Daniel noch gegen Gottlieb Taschler. „Die Staatsanwaltschaft hat aus Padua mehr als 10.000 Seiten Abhörungen und Dokumente über Südtiroler Athleten erhalten. Die Auswertung ist offenbar nicht abgeschlossen“, sagt Moccia.

    Deshalb erhält er für seinen Mandanten (Gottlieb Taschler) derzeit keine Akteneinsicht. Im Raum stehen vorerst allein die Abhör-Protokolle, welche von der Gazzetta dello Sport Mitte Dezember veröffentlicht wurden. Gottlieb Taschler nimmt 2011 Kontakt mit dem gesperrten Sportarzt Michele Ferrari auf, sein Sohn Daniel unterhält sich später mit diesem über die intervenöse Einnahme von offenbar verbotenen Substanzen.

    Der Antholzer Ok-Chef verriet im ZDF-Interview, warum er Ferrari kontaktierte. „Ein Schilddrüsen-Problem“ seines Sohnes. Therapien bei anderen Ärzten in Südtirol und Deutschland hätten nichts geholfen, deshalb habe er sich, so Taschler, an Ferrari gewandt, den er aus seiner Athleten-Zeit kannte.

    Und der Umstand, dass Ferrari in Italien seit 2003 gesperrt ist? „Es wäre besser gewesen, nicht mit ihm zu telefonieren, weil er unter Kontrolle steht“, räumt Taschler ein. Sein Sohn Daniel habe ihm aber versichert, dass es nicht stimme, dass er sich von Ferrari über die Einnahme von EPO beraten ließ.

    Taschler-Anwalt Moccia rechnet damit, dass die Staatsanwaltschaft Bozen gegen den Biathleten Daniel Taschler ein Ermittlungsverfahren wegen Sportbetrugs einleiten wird. Das sei aufgrund der bisher bekanntgewordenen Abhörungen „logisch“. Und er hofft, dass er ein solches für seinen Vater vermeiden kann. „Ich setzte auf eine sofortige Archivierung“, erklärt Moccia.

    Die Entscheidung über das Schicksal der Taschlers wird nach Informationen der TAGESZEITUNG in zwei bis drei Wochen fallen. Da wird Staatsanwalt Bramante seine Schlüsse aus den 10.000 Seiten Akten aus Padua ziehen. Gut möglich, dass da auch die Namen von anderen Südtiroler Athleten öffentlich werden. Was mit dem Fall Taschler begonnen hat, könnte in einen Südtiroler Doping-Skandal auswachsen.

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