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Ohne Rezept

Girl about to take a pillDas Medikament Ellaone, die neuere „Pille danach“, wurde von der EU-Kommission freigegeben und ist nun EU-weit rezeptfrei erhältlich. Auch in Italien soll es bald zu dieser Umstellung kommen.

von Lisi Lang

Die Entscheidung war zu erwarten: Wie eine Sprecherin der EU-Kommission mitteilte hat die EU-Kommission das Medikament Ellaone von der Rezeptpflicht befreit und ist damit einem Vorschlag der europäischen Arzneimittelbehörde EMA vom November 2014 gefolgt. „Es wird zu einer Umstellung kommen, da die neue Zulassung des Medikaments keine Rezeptpflicht mehr vorsieht“, bestätigt der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann. Ellaone, mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat, ist die neuere von zwei Pillen danach, die in Europa auf dem Markt sind. Nachdem sie 2009 zugelassen wurde, unterlag sie bislang in der EU der Verschreibungspflicht. „Dabei handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die dazu dienste die Nebenwirkungen bei den Patienten zu kontrollieren und dokumentieren“, erklärt Dorfmann. Dieser Prozess ist aus Sicht der Ema abgeschlossen, daher wurde das Medikament ohne Rezeptpflicht zugelassen.

In Südtirol ist man dagegen geteilter Meinung über die Rezeptpflicht dieses Medikaments. Peter von Aufschnaiter von der St. Anna Apotheke in Bozen hofft auf jeden Fall, dass diese Änderung bald in Kraft tritt: „Ich hoffe, dass das Medikament auch in Italien rezeptfrei wird, da man so den bürokratischen Aufwand um einiges vermindern könnte“, erklärt Peter von Aufschnaiter. Skeptischer steht dieser Entscheidung Maximin Liebl gegenüber: „Es steht einfach die Befürchtung im Raum, dass dieses Medikament rezeptfrei falsch verwendet wird. Momentan besteht die Rezeptpflicht für diese Medikamente in Italien und trotzdem kommen manchmal Mädchen drei Mal pro Monat mit einem Rezept für die Pille danach. Das ist absurd“, so Liebl. Dies sei sicher der falsche Umgang mit diesem Medikament, da man mit der „normalen“ Pille bereits vor dem Geschlechtsverkehr verhüten könne und diese Pille für den Körper auch leichter verträglicher ist. Dass es Bedenken von Seiten der Behörden gibt, kann Peter von Aufschnaiter verstehen, aber es gebe auch Beispiele in Europa, wo sich der Verbrauch dieser Medikamente durch einen rezeptfreien Zugang nicht verändert habe.

Der erste Ansprechpartner bei einer unsicheren Situation würde nach dieser Änderung der Apotheker und nicht der Gynäkologe sein. In den Nachtstunden sei dies aber eh schon manchmal der Fall: „Es passiert durchaus, dass Mädchen nachts vor diesem Problem stehen und in die Apotheke kommen, um die Pille danach zu erhalten“, erklärt Peter von Aufschnaiter. Da das Medikament aber noch unter Rezeptpflicht stehe, muss er die Mädchen an einen diensthabenden Arzt verweisen, der ihnen das Rezept ausstellt. Mit dem Rezept kommen die Mädchen dann wieder in die Apotheke. Man verliert so einfach viel an kostbarer Zeit“, so Peter von Aufschnaiter.

Da es sich um eine neue Zulassung des Medikament handelt glaubt Herbert Dorfmann, dass diese Umstellung bereits in den nächsten Monaten stattfinden könnte, sprich, dass bereits in wenigen Monaten die Pille danach rezeptfrei erhältlich sein könnte. „Es handelt sich hier um eine ganz normale europäische Zulassung, daher glaube ich nicht, dass die Mitgliedsstaaten hier etwas zu sagen haben“, erklärt der EU-Abgeordnete. Der Präsident der Apothekerkammer Maximin Liebl gibt sich dennoch zurückhaltend, da er mit keiner so schnellen Umstellung rechnet: „Es wird sicher nicht so schnell gehen und ich denke auch, dass es mir Sicherheit noch länger dauern wird, bis die Pille danach rezeptfrei erhältlich sein wird.“

 

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