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Die Steuer-Wut

Der Staat finanziert seine Mehrausgaben mit höheren Steuern. Juli 2014: Die Steuer auf Finanzerträge wird von 20 auf 26 Prozent erhöht. Januar 2015: Renditen in Zusatzrentenfonds werden nun mit 20 anstatt 11,5 Prozent besteuert.

von Heinrich Schwarz

Die Regierung spricht natürlich immer nur über die positiven Dinge. Seit dem Antritt von Ministerpräsident Matteo Renzi waren dies etwa der 80-Euro-Steuerbonus, der Baby-Bonus oder die IRAP-Erleichterungen. Alles gute Maßnahmen, um die Wirtschaft und die Familien in schwierigen Zeiten zu unterstützen.

Aber wenn das Geld der einen Tür hinausgeht, muss es bei einer anderen hereingekommen sein. Mit Neuverschuldung sind die Finanzierungen des Staates nicht mehr möglich. Die EU hat Italien klare Grenzen gesetzt. Also müssen unter anderem (möglichst unbemerkte) Steuererhöhungen her.

So war es etwa im vergangenen Sommer der Fall. Ganz still und leise wurde am 1. Juli 2014 die Steuer auf Finanzerträge erhöht. Immerhin von 20 auf 26 Prozent. Das dürfte sich gerade vor wenigen Tagen bemerkbar gemacht haben, als zum Jahresschluss für jeden Sparer und Anleger die Zinsen und Steuern berechnet wurden.

Wer auf seinem Sparkonto beispielsweise 100 Euro an Zinsen erwirtschaftet hat, dem wurden gleichzeitig wieder 26 Euro abgezwackt. Vorher wären es nur 20 Euro gewesen, was bei höheren Renditen – und vor allem auf die weiteren Jahre addiert – eine hohe Summe ausmachen kann.

Die nächste Steuererhöhung ließ nicht lange auf sich warten. Ganz versteckt im inhaltsreichen Stabilitätsgesetz, langt man jetzt auch bei den Zusatzrentenfonds verstärkt zu, die sich bekanntlich durch eine allgemein geringere Besteuerung auszeichnen.

Das Stabilitätsgesetz sieht vor, dass Renditen – also Wertzuwächse – in Zusatzrentenfonds nun mit 20 Prozent besteuert werden. Bisher waren es 11,5 Prozent, was also fast einer Verdoppelung gleichkommt.

Gerade in Südtirol, wo die öffentliche Hand kräftig für die zusätzliche Altersvorsorge über eine Zusatzrente wirbt, ist man alles andere als froh darüber. Mittlerweile spricht man von rund 100.000 Südtirolern, die sich in einen solchen Fonds eingeschrieben haben.

Rainer Steger, Verwaltungsrat bei Pensplan Centrum, sagt: „Steuererhöhungen sind natürlich nie positiv. Allerdings werden die Erträge in Zusatzrentenfonds immer noch geringer besteuert als normale Investmentformen.“

Wie Steger bestätigt, soll die erhöhte Steuer nicht erst ab 1. Januar 2015 gelten, sondern gar rückwirkend auf 2014. „Wenn in den nächsten Wochen die Berechnungen gemacht werden, muss man mit 20 Prozent rechnen“, so Steger. Netto schaue wegen der guten Renditen im Vorjahr aber trotzdem mehr für die Mitglieder heraus.

„Und wichtig ist“, betont der Verwaltungsrat, „dass die Besteuerung in der Auszahlungsphase – also ab Rentenantritt – vom Stabilitätsgesetz nicht angegriffen wurde. Hier würde eine Erhöhung weit schlimmer sein.“ Diese Steuer beträgt weiterhin maximal 15 Prozent und sinkt nach dem 15. Mitgliedsjahr auf bis zu neun Prozent.

Im Stabilitätsgesetz heißt es, dass es in Zusatzrentenfonds ein Steuerguthaben gibt, falls in gewisse Dinge investiert wird, die die Wirtschaft ankurbeln können – etwa in Infrastrukturprojekte.

Details darüber sind noch nicht bekannt. Und es liegt letztendlich im Ermessen eines jeden Fonds, in was investiert wird. Rainer Steger kann deshalb nicht versichern, dass Südtirols Mitglieder von den Steuerguthaben profitieren.

 

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